Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Die Rabbinerversammlung zu Kassel
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 348 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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346 Die NaLbinerversaimnlung zu Kassel. ginge um ihn im Kreise herum und er stünde allein fest auf seiner Stelle — also meint Ihr, oder wollet es glauben machen, das Judenthum sei krank und altersschwach geworden, während Ihr es seid, die den innern Hakt verloren habt und hin- und Herschwankend, keine Beruhigung, keinen Frieden im Innern zu finden vermöget. Und weil Ihr Euch doch nicht verhehlen könnet, daß auch in Deutschland heute Tausende und Abertausende athmen, welche treu und innig sich der Aufgabe hingeben wollen, die Gott ihnen gestellt, welche das Judenthum als das einzige, göttliche, vollkommene Gesetz hoch und heilig halten und ihre Kinder in derselben Gesinnung zu demselben Leben erziehen, — darum wendet Ihr Euch voller Haß gegen diese und dichtet ihnen die lächerlichsten Fehler an: — sie seien die Destructivm, sie seien die Friedensbrecher, sie feien verantwortlich für den gesunkenen religiösen Sinn. Darum verwickelt Ihr Euch in Widersprüche, verkehrt Schwarz in Weiß und entbehrt jeder ruhigen, vernünftigen Ueberlegung. Es ist ja baarer Unsinn, was Ihr vorbringt. Diejenigen, welche ruhig in dem Schiffe weilen und sich behaglich und wohnlich darin fühlen, welche ״auf dem Ocean der Menschheit" sicher in dem Schiffe des geoffenbarten, göttlichen Gesetzes fahren, und den Compaß und die Karten zu lesen und daraus sich zu orientiren vermögen, die in ihren Schiffsbüchem alle Klippen und Sandbänke und die Zeiten und Orte der Stürme verzeichnet finden, — das sollen schlechte Piloten sein, weil sie nicht, wie einige seekranke Passagiere in dem unange-- nehmen Gefühle der Seekrankheit es von ihnen verlangen, in Angst und Zagen gerathen und am Steuer und Balken und Segel und Ruder, welche alle in bester, schönster Verfassung sind, im katzenjämmerlichen Muthe heruwpfuschen. Nein, liebe Freunde, sagen sie zu diesen schwächlichen Gefährten, das versteht Ihr nicht, Euch ist übel, weil Ihr. nicht an das Seeleben gewöhnt seid, das Schiff aber ist fest und sicher und überdauert Erich und Eure spätesten Enkel. Nachdem diese beiden einleitenden Reden beendigt waren, wurden Dr. Adler aus Kassel, D1\ Philipps»« aus Bonn und D1-. Aub aus Berlin zu Vorsitzenden ernannt. Sehen wir uns nun nach dem Resultate der mit so vieler