Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Bibel und Wissenschaft
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 335 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Von U. R. 835 der widersprechenden Theorien nahm zu ihrer Zeit den Namen Wtssenschaft in Anspruch. Damit aber die Bibel sich niemals mit der Wissenschaft im Widerspruche besinde, hatten sich alle diese Widerspräche ans ihr Nachweisen lassen müssen. Dieser Ansicht Herschcl's schließt auch Alexander v. Humboldt sich an (Kosmos III 381.): ״Die Vermuthuugen, zu denen die neuere Astronomie allmälig über die physische Beschaffenheit der Oberfläche der Sonne gelangt ist, gründen sich auf lange und sorgfältige Beobachtung der Veränderungen, welche in der selbstleuchtenden Scheibe vergehen. Die Reihenfolge und der Zusammenhang dieser Veränderungen hat auf die Annahme geleitet, daß der Sonnenkörper selbst fast ganz dunkel, aber in einer großen Entfernung von einer Lichthülle umgeben sei 1c.־" Der bewunderungswürdig große Naturforscher spricht nur von Vermuthungen, von einer Annahme, giebt aber solchen Hypothesen nicht den stolzen Namen Wissenschaft. Ist aber diese Annahme wahr, — sie blieb wenigstens in neuester Zeit unbestritten, — warum erkennen die stolzen Jünger der Wissenschaft nicht eben darin die Lösung ihrer schon vielfach spöttisch gegen die Bibel erhobenen Frage: ״wie verhält sich's mit dem schon am Schvpfungötage geschaffenen Lichte, da erst am vierten Tage Sonne, Mond und Sterne am Fir-׳ mamente erschienen?" Sollte nicht die Licht und Wärme ansstrahlende Photosphäre allem gehend drei Tage lang denselben Weg gefunden haben, den sie vom vierten Tage an in Begleitung ihres dunklen Führers bis heute alltäglich zurücklegt! Wir wagen diese Erklärung nur im Geiste derer, die der Bibel durchaus keine Glaub- Würdigkeit zucrkcnnen mögen, das aber was ein Naturforscher als wahrscheinlich hinstellt, sofort als volle Wahrheit adoptiren und sich freuen, wieder ein Problem gefunden zu haben, das die Bibel anders zu lösen scheint. Das Judenthum ist bei aller Gläubigkeit doch nicht so leichtgläubig, daß es ohne genügende Prüfung und hinlängliche Begründung neu auflauchenden Ideen huldige; und doch wird kein Volk den Fortschritt der Wissenschaft, oder besser, die aus Vermuthungen und Annahmen, aus Beobachtungen und Erfahrungen endlich resultirendc Gewißheit, der allein der Name Wissenschaft gebührt, mit mehr Freude begrüßen, als das Judeuthum. Ihm wird dadurch erst der unerschöpfliche Schatz seiner heiligen Bibelsprache