Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Bibel und Wissenschaft
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 334 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2932754-2932987-2932995-2951353--11184-2951404- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
334 Bibel und Wissenschaft. an einem Beispiele Alex. v. Humboldt, jener große Antor, den wir gern häufig citiren, weil seinem Urtheil das größte Vertrauen gezollt wird. (Kosmos I 178.) ״Schon der berühmte Hallcy hatte am Ende des 17. Jahrhunderts in seinen magnetischen Spekulationen die Erde ausgehöhlt. Ein unterirdisch frei rottreuder Kern vcrursacht durch seine Stellung die tägliche und jährliche Veränderung der magnetischen Abweichung! Was bet dem geistreichen Holberg eine heitere Fiction war, hat man zu unserer Zeit mit langweiligem Ernste in ein wissenschaftliches Gewand zu kl eiden versucht." So und ähnlich sprechen fich in neuester Zeit Männer von Antorität aus, die nicht früheren Gelehrten in zierlichen Phrasen blindlings nachbeten, sondern welche Mühe und Zeit der Ermittlung der Wahrheit zum Opfer brachten. Schon Cicero's Behauptung (de nat, deor. 1) res enim nulla est de qua tantopere non solum indocti, sed etiam docti dissentient, quorum opiniones cum tarn variae sint, tamque inter se dissidentes: ceterum fieri profecto polest, ut earuin nulla, alterum certe non polest ut plus una vera sifc, — scheint deutlich darzuthun, daß der Widerspruch unter den Gclehrten eine Objectivität der Wissenschaft, eine apodiktische Zuverlässigkeit .ihrer Resultate nicht ohne Weiteres annehmen lasse. Sollte sich das jedesmalige Ergebniß der Forschung immer aus der Bibel beweisen lassen, welche Ungereimtheit, welche Widersprüche hätte man ihr ein Jahrzehnt später mit Recht vorzuwerfen! Wenn beispielsweise Anaximander ans Milet die Erde für eine Säule, die Sonne und den Mond für hohle, mit Feiler angcfüüte Walzen erklärt, so hätten damals die seiner Ansicht huldigenden Zeitgenossen — nach dieser Prämisse — fordern können, daß in der Bibel das gleiche System gelehrt würde. Z>r allen Zetten wurde viel über die Frage gestritten, ob der Sonnenkörper selbst ein Feuer- oder ein an fich dunkler Körper sei, den nur ein Lichthnlle umgebe. Kircher (1602 —1680) und Wolf (1679—1754) hielten die Sonne für ein wahres Feuer; nach Newton (1642—1727) führen die zahlreichen, von Zeit zu Zeit in die Sonne sich stürzenden Kometen ihr den Brennstoff zu. Nach Herschel ist um den an sich dunklen Sonnenkörper eine leuchtende Gasart verbreitet, die man Photosphäre im Gegensätze zu unserer Atmosphäre genannt hat. Jede dieser einan-