Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Bibel und Wissenschaft
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 333 (sequence 9)
- Language
- German
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berschätzung der geistigen Prodnctionen aller Zeiten hervorgehen. Bekauntlich besteht die Wissenschaft nicht ans einer Sammlung von lauter unumstößlich feststehenden Wahrheiten. Trotzdem die Forschung unbestritten auf zahlreiche höchst zweckmäßige Entdeckungen geleitet, und viele Naturgesetze ergründet hat, so dürfte die jezeitige Wissenschast doch kaum anders als ein Aggregat von manuichfachen Wahrnehmungen, Schlüssen und Hypothesen aufzufasscn sein, deren Begründung auf spätere Zeiten zu suspendiren ist. Der berühmte Physikcr Koppe gesteht ehrlich und offen zu: ״Wir nennen eine Naturerscheinung schon dann erklärt, wenn wir im Stande sind, dieselbe auf ein allgemeines Gesetz znrückznsühren. Denn die letzten Ursachen der Erscheinungen vermögen wir nicht zu erfassen." Ferner: ״Worin eigentlich diese Kraft (die Schwere) besteht, welches das Wesen derselben ist, vermögen wir nicht anzugeben." Ebenso: ״So sprechen wir von der Kraft des Magnetismus, der Electricität u. dgl. und schreiben denselben gewisse Wirkungen zu; wir sind jedoch nicht im Stande, diese Kräfte selbst aufznweiscn: wir schließen nur auf das Vorhandensein derselben aus bestimmten Erscheinungen re." ״Vermögen wir nicht das Wesen der Dinge, aus welchem die Erscheinungen fließen, zu ergründen, so können wir uns doch die Aufgabe stellen, die Gesetze zu ermitteln, denen dieselben uuterworfen sind. Aber auch hier gelangen wir nie völlig an's Ziel. Theils eröffnen uns die Fortschritte der Wissenschaft neue Gebiete dcs Forschens; theils sind die bereits gewonnenen Resultate der Verb csserung, der Vervollständigung und Vervollkommnung fähig und be d ürftig. Wenn wir auch annchmen dürfen, daß der Schöpfer die Natur nach ebenso einfachen als erhabenen Gesetzen geordnet hat, so sind wir doch von der Keuutniß dieser Gesetze selbst noch unendlich entfernt. Unsere sogenannten Naturgesetze sind immer nur ein höchst unvollkommener Ausdruck der wirklich stattfindenden Erscheinungen." Endlich: ״Die Geschichte der Wissenschaft liefert uns zahlreiche Beispiele, daß Gesetze, welche bei ihrer ersten Entdeckung als unbedingt giltig aufgestellt worden sind, sich später nur als Annäherungen an die Wahrheit erwiesen haben w. :c." Daß ferner die neueste Wissenschaft nicht untrüglich sei, zeigt