Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Ha-azinu und die Gegenwart
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 307 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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unb die Gegenmrt. 30t . in Israels Geschichte sich Mspricht, und worin jede Gegenwart die Klippe zu erkennen hat, an welcher sie zu scheitern Gefahr laufen kann, dieser Vorwurf lautet: ,״ ,שמנח עבית כשיחwurdest du fett, wurdest du feist, wurdest du bedeckt!" Die gebückte Zwerggestalt, in welcher der ewige Jude durch die Weltgeschichte gewandert und seine großen geistig sittlichen Triumphe gefeiert, ist nicht das Israel-Ideal, dessen Verwirklichung dem ihm im Anblick des Himmels und der Erde cingehändtgten Gottesgesetze vorgeschwebt, ist nur eine, zwar im vorhinein mitberechnete und angekündigte, aber immerhin nUr untergeordnete Seite seiner geschichtlichen Erscheinung, in welcher die ihm zur Lösung gesetzte Aufgabe Nur mangelhaft und unvollkommen zur Erfüllung kommt. Sie ist Nur Fortsetzung des egyptischen ״Ttgcls" und der Erziehungswanderung durch die Wüste, die die Losung der Israels-Aufgabe erziehend vvrbereiten, nicht aber selbst schon die Losung sein sollte. Das Gesetz, für dessen Verwirklichung zuerst die Abrahamsfamtlie gewonnen werden sollte, und in dem einst die Menschheit die endliche Cr-! lösung von allem socialen Weh finden soll, will nicht in Knechtschaft und Lebensverkümmerung das Ideal seiner Lösung finden; auf allen seinen Blättern und in allen seinen Institutionen kündigt es sich an, wie ein freies, begütertes, in heiterer Lebensfreude gesegnetes Volksleben Boden und Produkt seiner Verwirklichung bilden soll. Es steht nur dadurch in schneidendem Gegensatz zu alle» andern Völker bildenden Institutionen auf Erden, daß diese Nationale Macht Und Wohlfahrt selbst als die suprema lex setzen, denen alle andern Rücksichten, auch die ganze Gesetzgebung, nur wie Mittel zum Zweck dienen und zu weichen haben, es aber, das Gottesgesctz, sich selber nicht nur als das höchste, sondern als das einzige Gesetz verkündigt, dessen Verwirklichung der einzige Zweck und das einzige Ziel der ganzen Volkscxistenz bildet, dem daher alle andern nationalen Güter und Errungenschaften sich wie Mittel zum Zweck, somit nur als bedingte Werthe nnterzuordneu haben. Israels ganze Zukunft ist daher dadurch bedingt, daß es nie und nimmer irgend welche materielle oder geistige Güter außer dem Gesetz, als seine Existenz bedingende Werthe achte, daß es vielmehr nur im Gesetze und in treuer Erfüllung desselben Boden, Werth und Bedeutung seines