Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 7-9 (April 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-04-01
- Page
- 289 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Von ©... 280 sie in Wirklichkeit nun die heimathlose Bettlerin, deren Tracht sie zur Flucht entlehnt. Ihre Stirn glühte, wild klopften ihre Pulse, riesengroß standen alle Gefahren, denen fie entgegengtng, vor ihrem inner« Auge. Von namenloser Angst erfaßt blickte sie auf zum sternbesäeten Himmel: ״o Gott, der du die Gestirne lenkst, lenke auch meine Schritte!" Da ward's auf einmal hell und leicht in ihrem Herzen: ״zu meiner Rechten Michael, zu meiner Linken Gabriel, vor mir Uricl, mir im Rücken Raphael und über mir die Herrlichkeit Gottes, was sollte ich fürchtend" — Ein hoher Muth strahlte aus ihren danklen Augen, raschen Schrittes durcheilte sie die öden Gaffen und hatte bald das Freie erreicht. - Leise säuselnd fuhr der Nachtwind durch das Laub der Bäume, murmelnd floß ein kleiner Bach dahin, wie der Ton von Aeolsharfen scholl es von Zeit zu Zeit durch das Schweigen der Nacht, es war wenn der Wind die Metalldrähte des Telegraphen bewegte; hin und wieder ließ sich das leise Zwitschern eines schlafenden Vogels vernehmen, die tiefe Stille noch bemerkbarer machend; die ganze Natur athmete Frieden. Auch Angela's Brust erfüllte süßer sanfter Frieden, furchtlos, voll Vertrauen auf den Schutz dessen, um dessen heiligen Namen sie Heimath und Alles verlassen, eilte sie weiter und immer weiter. -Der Arzt setzte seine Besuche bei der Familie Dal Monte fleißig fort; er kam nicht ohne Grund; die unglückliche Mutter befand sich in einer nervösen Aufregung, die die größte Sorgfalt heischte, ihr Gatte wagte kaum, sie auf einige Minuten zu verlassen Die Dienstboten durften nur das Vorzimmer betreten, die Wärterin und der kleine Leo nicht einmal dieses, sie ließen sich auch leicht zurückhalten, der Arzt hatte viel über die bösartige Ansteckung der Krankheit, der das Kind zu erliegen drohe, gesprochen, und alle waren froh, daß sie ihm nicht nahen durften. Das ganze Ghetto beklagte die unglücklichen Eltern; jeder empfand das größte Mitleid, wenn man den sonst so heitern blühenden jungen Mann nun mit blassem abgehärmtc» Antlitz durch die Gassen eilen sah, um sich nur für wenige Augenblicke in seinem Verkaufsgcwölbe aufzuhaltcn. Es war am dritten Tage der angeblichen Krankheit des Kindes. Dal-Monte benutzte die Anwesenheit des Arztes um zu seinem