Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 7-9 (April 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-04-01
- Page
- 290 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Laben zu eilen, den er jetzt nur betrat um die etnlaufcnde Corrcspondcnz in Empfang zu nehmen, da er in peinlichster Ungeduld auf Nachricht von Angela hoffte. Sein Aussehen war wie das eines Verzweifelnden; die ihm begegnenden Bekannten wagten nicht nach dem Befinden des Kindes sich bet ihm zu erkundigen. Athemlos langte er in seinem Gewölbe an. Er forderte die eingelaufenen Briefe; man reichte sie ihm — Eine Ohnmachtsanwandlung schien plötzlich den kräftigen Mann überfallen zu haben; seine Angen schlosse» stch, er taumelte rücklings und ohne Beistand des Buchhalters und Commis, die ihm rasch zu Hülfe eilten, wäre er unfehlbar niedergestürzt — Aengstlich bemühten sich die Leute ihn wieder zu sich zu bringen; schon nach einigen Minuten gelang es- Er schlug die Augen auf, im ersten Moment schien er nicht zu wissen, wo er sich befand, dann aber fiel sein Blick auf die zerstreut am Boden liegenden Briefe und auf den einen, den seine rechte Hand krampfhaft umschlossen hielt; er athmete hoch auf, ein heftiges Zittern fuhr durch seine Glieder, lebhafte Rothe bedeckte auf einen Augenblick seine bleichen Wangen, gleich darauf aber kehrte die frühere Blässe zurück. Zum Staunen der Anwesenden erhob er sich ohne große Anstrcngung und erklärte, sich nach Hanse begeben zu wollen. Man fürchtete eine Wiederholung des Anfalls und wollte ihn begleiten, er wehrte es und rasch, wie er gekommen war, eilte er wieder seiner Wohnung zu. Kopfschüttelnd sah der Buchhalter ihm nach, ״das Kind muß sehr bedenklich sein," meinte er zu seinem Kollegen gewendet, ״da liegt nun unsere ganze Correspondenz auf der Erde und Niemand weiß, was sie enthält." Der Andere theilte die Vermuthung über den gefährlichen Zustand des Kindes, und beide unterhielten sich noch lange von dem unglücklichen Kinde und den noch unglücklicheren Eltern. Dal-Monte hatte inzwischen seine Wohnung erreicht, keuchend, kaum im Stande, ein Wort hervorzubrtngen, eilte er die Stiege» hinan. ״Ist der Doktor schon fortgegangen?" fragte er die Köchin, die ihm entgegentrat. ״Nein," erwiederte diese, ״er ist noch oben. Aber um unseres Herrgotts willen, -Herr Dal-Monte, wie sehen sie aus!" fügte die gutmüthige Alte hinzu. ״Geben Sie sich doch um Gottcswillen nicht so hin, Sie ruiniren sich ja ganz."