Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 7-9 (April 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-04-01
- Page
- 287 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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287 Von <§>... stern? — Mer das hieße es seinem sichern Verderben überliefern. Konnten doch morgen, ja heute schon die Diener der Geistlichkeit in's Haus der Eltern dringen und wenn sie das Kind dann in's Kloster bringen, oder — sie erinnerte sich der Worte ihres Schwagers, seines Dolches, und ein kalter Schauer überrieselte sie. ״Nein, nein," flüsterte sie, ״nein! Aber Gott, mein Gott was denn? Sollte sie hier bleiben mit dem Kinde? Aber drohte nicht hier ganz dieselbe Gefahr? Wenn die Geistlichkeit das Kind nicht bei den Eltern finden würde, würde man dann nicht unverzüglich auch hier nachforschen? — Was sollte, was konnte sie beginnen? —sie, ein siinges schwaches Mädchen — Das Kind mußte noch vor Tagesanbruch über die Grenze geschafft werden, wollte man seiner Rettung sicher sein; wohl kannte sie den Weg, aber wie hätte sie allein es wagen können, mit dem Kinde zu fliehen, besaß sic doch nicht einmal die nothwendigsten Reisedokomente — Wäre nur Alberto daheim gewesen, er hätte sicher für alles Rath gewußt, aber sie, ein uncrfahrenes junges Mädchen — Verzweiflungsvoll rang sie die Hände — Noch immer schlief die Kleine sanft und ruhig auf dem Sopha, während Angela in qualvollster Aufregung die glühende Stirn an die Fensterscheiben drückte um sie zu kühlen. ״Gott, mein Gott!" flehte sie, ״sende Hülfe, sende Rettung, sende mir nur einen Gedanken zn Rettung des Kindes, ich will ja gerne alles, alles ostfern." Während sie so flehte, blickte sie hinaus auf die durch den Mondschein erhellte Gasse; ein Zigeunerweib, den Säugling auf dem Rücken kam dort die Straße herauf, rüstigen, sorglosen Schrittes wanderte sie einher, sie bedurfte keines Schutzes, keiner Neisedokumente. Angela dachte es und wie ein Blitzstrahl erhellte es stlötzlich ihr angsterfülltes Herz. Wenn sie als Zigeunerin sich kleiden würde, wie leicht konnte sic da nicht unerkannt mit dem Kinde die Grenze überschreiten — Aber welch unabsehbaren Gefahren würde sie da entgegengehen! — Nein, nein, das konnte, das durfte sie nicht wagen — Eben regte sich die Kleine und erwachte, staunend schaute sie sich in der ihr fremden Umgebung um. Angela trat zu ihr, freundlich lächelte das Kind sie an und streckte dieAermchen aus. Angela nahm sie, heiße Thränen stürzten aus ihren Augen. ״O du armes, du unglückliches Kind, deine Eltern wähnen dich vielleicht schon jen- *9*