Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 7-9 (April 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-04-01
- Page
- 286 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Angel«. Haus ihrer Verwandten trat und weder diese noch ihr Sohn sie, wie bet ihren sonstigen Besuchen, zu empfangen kamen. Von banger Ahnung erfüllt öffnete sie die Thür des Wohnzimmers, es war leer — Sie legte das noch immer schlafende Kind auf das Sopha, dreitete ihren Mantel darüber aus und trat in's Nebenzimmer, das- Schlafzimmer ihrer Tante. Auf den Fußspitzen schleichend kam die alte Dienerin des Hau« ses ihr hier entgegen: ״Ach, Fräulein Angela, seien Sie taufendmal willkommen, aber du mein Gott, daß Sie gerade heute kommen müssen. — Ihre arme gute Frau Tante, was sie sonst immer für 'ne Freude hat wenn Sie kommen, und nun — sehen Sie, wie sie da beständig liegt." ״Um Gotteswillen, was ist meiner Tantel" Die Akte berichtete, daß ihre Herrin am vorigen Abend plvtzlich erkrankt, der Arzt sage an einem hitzigen Fieber, und den ganzen Tag liege sie nun so und schlafe immer fort, man könne sie gar nicht erwecken — Angela liebte ihre Tante von ganzem Herzen, zu jeder andern Zeit wäre sie nicht im Stande gewesen, an etwas anderes auch nur zu denken, als an die Kranke, hätte es sich sicherlich nicht nehmen lassen, an ihrem Bette zu wachen, aber heutedachte sie weniger an die Besorgniß, die der Zustand der Kranken erregen mußte, als an die dadurch gefährdete Rettung des Kindes. Sie fragt« nach ihrem Vetter. ״Ach du mein Gott," erwtederte die- Alte, ״das ist ja noch das ärgste, der junge Herr ist gestern früh fortgesahren und ich weiß nicht wohin, sonst hätte ich schon an ihn schreiben lassen. Aber er hat erst gestern von irgend wo her eine Depesche bekommen und zwei Stunden nachher ist er fort, außer seiner Mutter weiß Niemand wohin und die kann es jetzt nicht sagen." Hatte die glühende Lava des Vesuvs sich plötzlich in einem Feuerstrom vor ihren Füßen ergossen, sie hätte kein größeres Entsetzen empfinden können als bei dieser Nachricht — Die Tante krank, unfähig ihr auchnur einen Rath zu erthetlen, Alberto fern und dort lag das Kind, das zu retten sie gelobt hatte. Aber was konntedenn sie allein? so ganz allein, hatte sie doch nicht einen Menschen, mit dem sie die Angelegenheit auch nur hätte überlegen können — Sollte sie das Kind zurückbringen nach Ferrara zu ihren Geschwi^