Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 7-9 (April 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-04-01
- Page
- 285 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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28f Bon S .r. Sobald die Kleine schlummerte, nahm sie Angela unter ihren leichten aber weiten Mantel, der Arzt ordnete die Falten so, daß Niemand das Kind gewahren konnte und nun war Alles bereit — Doch in wortlosem Jammer hielt Giuditta ihre Schwester umklamwert, bis diese endlich sich losretßen mußte. Ohnmächtig sank die Mutter zu Boden. ״Gottlob," flüsterte der Arzt, ״so ist es ihr am wohlsten? Mit warmem Segenswunsch drückte er die Hand des jungen Mädchens an die Lippen und drängte sie zur Thür, wo ihr Schwager sie erwartete, um sie zum Wagen zu geleiten. Schweigend schritten beide die Stiege hinunter. Vor dem Hause am Wagen hatte die Straßensugend des Ghetto's sich versammelt, ihn abfahren zu sehen — Mit größter Vorsicht hob Marco seine Schwägerin in den Wagen, cs war gelungen, Niemand hatte das schlafende Kind unter ihrem Mantel wahrgenommrn. Aus dem Wagen sich lehnend reichte ihm Angela noch einmal die Hand, krampfhast preßte er sie in seine beiden, doch sein thränenumflortes Auge wagte er nicht zu dem ihren zu erheben, durfte doch keiner es ahnen, was ihn ihre Abreise kostete — Die Peitsche knallte, derWagen rollte davon — In stummer Verzweiflung starrte der Unglückliche Vater ihm nach, an die Mauer des Hauses sich lehnend, er hätte laut aufschreien mögen vor namenlosem Weh, aber er mußte seinen Schmerz bezwingen — Endlich ermannte er sich und mit bebender Lippe flüsterte er den Priestersegen ihr nach: ״Es segne dich der Herr und behüte dich, Er lasse dir Sein Antlitz leuchten und sei dir gnädig, der Ewige wende dir Sein Antlitz zu und gebe dir Frieden." Glücklich und ohne den geringsten Aufenthalt legte Angela die kleine Reise bis zum Wohnort ihrer Tante zurück, ruhig schlummerte die Kleine auf ihren Knieen, selbst das laute Rasseln der Räder aus dem ungleichen Straßcnpflaster des Städtchens störte sie nicht. Es dunkelte bereits, als der Wagen vor dem Hause der Tante hielt. Bevor Angela den Wagen verließ, zahlte sie dem Kutscher den Fahrlohn, fügte noch ein reichliches Trinkgeld hinzu, ersuchte ihn unverzüglich nach der Stadt zurückzukehren und ihren Geschwistern mitzutheilen, daß sie das Ziel ihrer Reise glücklich erreicht. Vorsichtig stieg sie nun aus uyd der Wagen fuhr davon — Das junge Mädchen war jedoch sehr überrascht, als sie nun in das 19