Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 7-9 (April 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-04-01
- Page
- 283 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2932754-2932987-2932994-2951243--11129-2951334- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ä30nS... 283 zensangst" — Ihm selber fast unbewußt hatte seine Rechte das Heft des Dolches wieder umfaßt, und fester und unbeugsamer ward sein Entschluß, seines Kindes Seelenheil um jeden Preis zu retten — Aber noch war ja Hoffnung, daß es zum Aeußersten nicht kommen werde — Wohl war es zunächst nur ein schwaches junges Mädchen, durch die allein er auf Rettung hoffte, aber glühender Glaubensmuth erfüllte ihre zarte Brust. Inzwischen bereitete Angela stch vor, ihr Werk zn beginne». Auch stc hatte gebetet und das Gebet hatte ihr Vertrauen und ihre Hoffnung gestärkt. — Mit pochendem Herzen, aber lächelnden BlickeS trat sie in das Ktnderzimmer. Jauchzend begrüßten sie die Kinder, Leo sprang, ihr entgegen und die Kleine streckte die Aermchen nach ihr aus, sie nahm das Kind, die Wärterin entfernte sich Und wenige Augenblicke darauf erfüllte das jämmerliche Geschrei der Kleinen das ganze Haus. Gianna stürzte in's Zimmer, Angela behauptete das Kind liege in Zuckungen und drängte die Wärterin den Arzt' zu rufen. I» weniger als einer Viertelstunde erschien dieser. Angela hatte das Kind schreiend zu erhalten gewußt, der Arzt untersuchte es und erklärte die natürlichen Pocken seien im Anzuge, der kleine Leo müsse unverzüglich von dem Schwesterchen getrennt werden. Das verstörte Aussehen der Elter», die erst vor wenigen Minuten in's Zimmer getreten, war nun gerechtfertigt. Mit blassen bebenden Lippen befahl Ginditta der treulosen Dienerin den Knaben auf's Sorgfältigste zu überwachen. Bleich vor Schrecken entfernte sich diese mit demselben, sic erinnerte sich erst jetzt, daß in jenem Kloster, das sie gestern mit dem Kinde besucht, ein Pockenkranker sich befunden. Als der Arzt bald darauf, von dem Hausherrn begleitet, über die Stiege schritt, bemerkte er die Wärterin in der Nähe. ״Ehe ich daran vergesse, Herr Dal-Monte," sprach er mit absichtlich lauter Stimme, ״ich halte es für meine Pflicht Sie aufmerksam zu machen, daß es nothwendig ist, Ihr Fräulein Schwägerin baldmöglichst zu entfernen. Sie könnten doch die Verantwortung nicht auf sich nehmen, wenn das junge Mädchen der Ansteckung erläge." ״Ach, dem ist bange um das glatte Gesicht von seiner Liebsten", murmelte Gianna, ״aber um mein schönes Kindchen kümmert er sich nicht so viel."