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Jeschurun · 1868-04-01 · Heft 7-9 (April 1868) · p. 282

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 7-9 (April 1868)
Article
Angela
Date
1868-04-01
Page
282 (sequence 4)
Language
German
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’ Angela. 282 schlafenden Kind im Arme, würde sehr beschwerlich sein, und dann hast Du auch die weite, vielleicht gefahrvolle Reise und alle Last und Unbequemlichkeit Bedacht, die ein kleines Kind verursacht." ״O Marco, wie klein denkst Du von mir." ״Von Dir sollte ich klein denken, Angela? — schaue ich doch zu Dir empor, wie zu einem höheren Wesen, 0 konntest Du in mein Inneres blicken. — Bist Du doch das einzige irdische Wesen, von dem ich Rettung für mein Kind erwarte, kannst du es nicht retten, so sehe ich nur einen einzigen Ausweg." Langsam zog er bet diesen Worten einen kleinen venetianischen Dolch aus dem Busen. Entsetzt fuhr Angela zurück. ״Um Gotteswillen, Marco!" Dieser blickte düster auf die Waffe. ״Bebend kommst du nicht in ihre Hände," murmelte er. ״Großer Gott! Du konntest Dein eigenes Kind —" ״Um meines Kindes Seele zu retten, könnte ich Alles." Aber ein krampfhaftes Zittern überfiel den unglücklichen Vater; auch Angela bebte, sie barg ihr leichenblasses Gesicht in beiden Händen — Mehrere Minuten vergingen schweigend. ״Wenn Du im Augenblick nichts dringendes mehr zu überlegen hast," sprach Angela dann mit mühsam errungener Fassung, ״so ist es wohl besser, ich gehe seht wieder ans mein Zimmer, wir bleiben ja noch mehrere Stunden beisammen." Sie nickte ihm freundlich zu und entfernte sich leise. Ein schmerzliches Stöhnen entfuhr den Lippen des Zurückblcibenden, er warf sich aufs Kanapee und bedeckte das Gesicht mit den Händen; bange schwere Seufzer hoben seine Brust, sie umschloß ja unsägliche Qual. Endlich erhob er sich, um das Morgengebet zu verrichten, Trost und Hoffnung bei Dem zu suchen, ohne dessen Willen kein Luftzug den Grashalm beugt. Er betete lange und innig, nnhörbar glitten die Worte über seine Lippen, nur wenn sein Gebet noch inbrünstiger ward, wurde es hörbar. ״Siehe unsere Bedrängniß," stehte er, ״und erkämpfe nnsern Streit und erlöse uns bald um Deines Namens willen, denn Du bist ein mächtiger Erlöser." Heiße Thränen erstickten seine Worte, aber glühender und inniger noch ward sein Gebet — Wieder schien ,es längere Zeit wortlos, nur einzelne Sätze entrangen sich vernehmbar seiner Brust. ״Schau gus unser Elend, denn groß sind unsere Schmerze» und unsere Her-

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