Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 7-9 (April 1868)
- Article
- Vorgänge in Steinamanger
- Date
- 1868-04-01
- Page
- 271 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Vorgänge in Stemamanger. 271 : Da entbrannte mit einem Male wieder die bei so großer Anzahl natürlich noch viel ungestümere Furie der Parteileidenschaft. Es wurde dieß so billige Verlangen beharrlich verweigert, und das Protocoll demnach von der Minorität und ihrem Obmanne, der standhaft zu ihr hielt und mit den klarsten Worten die Gerechtigkeit und Nothwendigkeit dieses Verlanges darthat, nicht unterschrieben. Aber auch »och ein prinzipieller Punkt des Protocolles machte es Hrn. vr. Hildesheimer und auch der .Partheivertretung unmöglich dasselbe zu unterschreiben. Der oben erwähnte als Antwort der Vorfrage gegebene Passus wurde ‘ nach der Morgensitzung in ganz richtiger Weise von den Rabbinern stilistrt. Die Abschrift in dem Nachmittags vorgelegten Protokolle lautete ganz anders, nämlich dahin, daß der Gottesdienst in dem Tempel der hiesigen Gemeinde mit der mosaischen Religion nicht in Collision stehe. Der Notar, von dem Rabbiner zu Eisenstadt und Altosen über diese willkührliche Redaciionsveränderuug inlerpellirt, entschuldigte sich ziemlich naiv damit, daß ihm der frühere Satz keinen rechten Sinn zu haben schien. Es ist nicht schwer zu errathen, wer der Leiter dieser Stilisirung sei. — Die Minorität und ihr Obmann haben nur eine Erklärung der Motive, welche ihnen die Unterschrift des Protocolls unmöglich machte, in die Hand des Hrn. Präses gelegt. In Erwägung all des Gesagten und des Umstandes, daß die Rabbiner in ihren Rrchtsansichteu nicht übereinstimmten, sah dieser sich veranlaßt, das betreffende Urtheil dem hohen k. Ministerium anheimzustellen. Dies der ganze Verlauf der denkwürdigen Affaire. Dieselbe gibt selbstverständlich viel zu denken und ich erlaube mir Einiges zu resumiren. Seit Jahren wird diese Minorität gekränkt und verläumdet, als wäre ihr Verlangen rein capriciös, und durch die Untersuchung des Nabbincrcollegiums ist ,nun an den Tag gefördert, daß von ihr nichts gefordert wurde, als das, was ihr nach dem Prinzipe der Gewissensfreiheit auch zugestanden werden mußte. Es ist nun constatirt worden, daß die שחיטה und das ^^-Fleisch-Institut in so miserabler Situation ist, daß es fremder Rabbiner bedürfte, dieselben zu ordnen; die הוראה ist in so vertrauenslosen Händen, daß selbst die Majorität ohne Weiteres, ganz wie sie das 18*