Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 7-9 (April 1868)
- Article
- Beleuchtung der die Gemeinden- und Schulen-Organisation betreffenden Vorlagen der ungarisch-israelitischen Konferenzmajorität
- Date
- 1868-04-01
- Page
- 244 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2932754-2932987-2932994-2951238--11084-2951295- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
244 Beleuchtung der Vorlagen der ung.-tsrael. Aonferenzmajoriät. Thalmudthoraschulen, d. h. die über das Maaß des zur Einpflanzmig des religiösen Gefühls Nothwendigen hinausgehenden jüdischen Unterrichtsanstalten sollen nur für diejenigen bestehen, welche sich dem Lehrer- oder Rabbinerstande widmen-wollen und Gymnasium öder Realschule besuchen; an einem Orte, an dem sich ein Ghm- Irastum oder eine Realschule nicht befindet, dürfen nach §. 14 des Schulorganisations-Entwnrfes keine Thalmudthoraschulen errichtet werden, denn für das Volk genügt das religiöse Gefühl, nur die Lehrer oder Rabbiner bedürfen einer ״Summe hebräischer Wissenschuft." Durch die obigen Bestimmungen hat die Konferenzmajorität einen Verfolgungsgeist gegen das Judenthum dokumentirt, der allein schon zeigt, daß eine von der Fortschrittspartei ausgehende oder nur unter ihrem partiellen Einflüße stehende, für die Gesammtheit der ungarischen Juden geltende Schulorganisation das Judenthum in seinem Lebensnerv bedrohen, das Heranwachsende Geschlecht der Kcnutniß des Gottesgesetzes entführen und so den allmäligen Abfall vom Judenthum vorbereiteu würde. Denn die erste und heiligste vom Judenthum gelehrte Pflicht ist die allseitigste Verbreitung der jüdischen Gesetzkundc, welche nicht zum Standesstudium einer Kaste herabgewürdigt, sondern Erbgut der ganzen Jakobsgemeinde sein und bleiben soll; darum gehört es zu den Fundamentalbestimmnngen des Judenthums, seine Söhne ohne Rücksicht auf den künftigen Stand zu einer gründlichen, möglichst umfassenden Quellenkenntniß der religiösen Pfiichtenlehren zu führen, sie mit dem Borne des jüdisch-religiösen Wissens, dem biblisch-rabbinischen Schriftthmn so vertraut zu machen, daß ihnen dasselbe ein Schatz der fortschreiteuden Erleuchtung und Veredlung fürs Leben werden könne, daß sie durch Erkenntniß des Wahren gegen jeden entstellenden Einfluß gewappnet, allen Prätensionen des Jrrthums und des Wahnes zu begegnen selber im Stande seien. Die Fürsorge für einen dieses Ziel anstrebenden Jugendunterricht ist daher eine der wichtigsten, nnabweislichsten Aufgaben einer jüdischen Gemeinde, und einen Verrath am Judenthum begeht derjenige^ der die Aufgabe der jüdischen Volksschule auf die Einpflanzung des religiösen Gefühls beschränken will. Was ist denn dieses religiöse Gefühl? Ein dunkles, unfaß-