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Jeschurun · 1868-04-01 · Heft 7-9 (April 1868) · p. 230

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 7-9 (April 1868)
Article
Beleuchtung der die Gemeinden- und Schulen-Organisation betreffenden Vorlagen der ungarisch-israelitischen Konferenzmajorität
Date
1868-04-01
Page
230 (sequence 5)
Language
German
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28Ö Beleuchtung .der Vorlage» der ung.-israel. Konferenzmajorität. Gottesgesetz, das den Fortschritt in allem Guten und Wahren nicht ausschließt, vielmehr verlangt, dessen Bestimmungen aber auch zeigen, was wir als Fortschritt anzustreben und was wir als Willkür, die sich nur Fortschritt nennt, zurückzuweisen haben. Was der Orthodoxie ein Heiligthum ist, das ist der Fortschrittspartei ein Gelächter; und was die Fortschrittspartei Fortschritt heißt, ist der Orthodoxie ein Verbrechen. Die Fortschrittspartei wird nicht die Lehre der Orthodoxie unterstützen wollen, die Orthodoxie darf nicht die Lehre der Fortschrittspartei unterstützen. Unendlich weiter stehen diese Grundsätze aus einander als Katholiken und Protestanten, geschweige denn als Lutheraner und Reformirte; und wenn es keinem Menschen einfällt, Katholiken und Protestanten, und kaum auch nur Lutheraner und Reformirte zu einer Religionsgemeinde zu verbinden, da wollte man so disparate Religionsbekenntnisse wie die jüdische Orthodoxie und Fortschrittspartei in einerGemeinde vereinigen? So lange der Begriff der Religion Sache des Gewissens und nicht ein im Grunde gleichgiltiger Gegenstand dieser oder jener Geschmackssympathie ist, so lange wird jeder aufrichtige Freund der Wahrheit und des Rechts eine solche Vereinigung mit sittlicher Entrüstung für moralisch unmöglich erklären, oder, wo sie sich dennoch gedankenlos oder gezwungen vollzieht, aufs tiefste beklagen, weil eine jede solche unnatürliche äußere Vereinigung sich nicht ohne Gewissenszwang oder Gewifsensverläugnung vollziehen läßt, und entweder völlige Gleichgiltigkeit gegen alles Positive der Religion voraussetzt oder unabweisbar erzengt. Konsistorial- oder Synodal-, Presbyterial- oder Repräsentativ-Verfassung — welche Form man auch für die Konstjtuirung einer solchen moralischen Ungeheuerlichkeit finden mag — immer wird das Gewissen eines Jeden von den Chancen eines Majoritätsansschlags in nicht zu rechtfertigender Weise abhängig sein. Dabei liegen allerdings die Würfel für beide Seiten nicht gleich. Der extremste Neologe wird in einem auf orthodoxester Basis beruhenden und nach orthodoxesten Prinzipien geleiteten Gemeinde- Wesen vielleicht Manches finden, was er als überflüssig, als religiöse Thorheit belächelt, Manches vermisse», was er zur Befriedigung seiner religiösen Anschauungen wünscht; allein er wird nichts darin finden, was sein Gewissen beunruhigt, belastet/oder ihn hindert,

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