Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 7-9 (April 1868)
- Article
- Beleuchtung der die Gemeinden- und Schulen-Organisation betreffenden Vorlagen der ungarisch-israelitischen Konferenzmajorität
- Date
- 1868-04-01
- Page
- 229 (sequence 4)
- Language
- German
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Von einefit Mitglieds des SchoMe-Hadath-Vereknes. AZA Es nützt nichts, schadet vielmehr im höchsten Gtade, darüber die Äugen schließen zu wollen. Der unter den Parteinamen Orthodoxie und Fortschrittspartei nun einmal vorhandene Gegensatz ist ein so tiefer, «in so prinzipiell einschneidender, daß der Begriff einer Religionsgemeinde zu einem leeren Schemen gemacht werden Müßte, wenn bilde einander so scharf widersprechende Gegensätze als religiöse Einheit konstituirt weiden sollten. Es sind ja Religionsgemeinden, um die es sich handelt; Gemeinsamkeit der religiösen lleberzeugung ist somit eine Unerläßliche Vorbedingung. Nun ist zwischen der s. g. Orthodoxie und der Fortschrittspartei ein weit tiefer MffeUder Unterschied als zwischen irgend welcher Konfession innerhalb der christlichen Kirche. Es handelt sich da keineswegs blos um Divergenzen im Rituale beim öffentlichen Gottesdienste; es handelt sich um ÄnerkeNnüng oder Nichtanerkennung eines das ganze Leben durchgreifend gestaltenden Grundgesetzes. Dem orthodoxen Juden ist das von den Vätern überkommene Judenthum Gottes unantastbares, keinem menschlichen Urtheile zu unterwerfendes Heiligthnm, für das in allen Zeiten jeder Jude zu leben und zu sterben verpstichtet ist; dem orthodoxen Juden umfaßt das Indenthum das ganze Leben; ein ganzes, in allen menschlichen, bürgerlichen Und häuslichen Beziehungen, im Erwerben wie im Geniesten dem göttlichen Willen entsprechendes, dem Gottrsgesetze sich Unterordnendes Leben, das versteht der vrthodoxe Jude unter IndeUthum. Worin besteht aber das Judenthum derer, die sich als Fortschrittspartei bezeichnen? In einer Religion, von der sie nur so viel anerkennen, als ihnen zu ihrem Fortschritte paßt, als sich Mit ihrem Fortschritt verträgt, in einer Religion, die nur insofern Geltung für sie hat, als sie dem zur Erfüllung ihrer Wünsche dienenden Fortschritte keine Schranke setzt, im erwerbenden und genießeNden Leben kein Opfer von ihnen verlangt, ihnen in ihren Bestrebungen nicht lästig, nicht Unbequem wird; ihnen ist der als Lebenszweck von ihnen gehaltene Fortschritt das Höchste, und die Religion das davon Abhängige, durch den Fortschritt erst zu Bestimmende. Ihnen besteht die Religion nur in ״Dogmen" und ״gottesdienstlichen Gebräuchen;" dem Orthodoxen ist das Juden- ׳!HM Gesetz, absolutes, in allen Lebensbeziehungen M verwirklichendes