Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 6 (März 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-03-01
- Page
- 199 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Doch der Arzt schritt zuvor zur Thür, die er fester in's Schloß drückte, öffnete dann eine andere die auf den Corridor führte, blickte hinaus, wie um sich zu versichern, daß Niemand draußen, schloß sie wieder und warf sich auf den Scffel ״ich muß ungestört mit Ihnen reden, wir dürfen nicht belauscht werden," sagte er, während der Andere staunend dem seltsamen Gebühren zuschante — Schweigend vergingen mehrere Augenblicke. Voll Spannung blickte Dal Monte auf seinen Gast, dessen sonst so heitere Züge ein trüber Ernst jetzt deckte. ״Ihre Miene, Herr Doktor, verkündet nichts Gutes," begann er mit einem leisen Versuch zu scherzen, doch ihm ward keine Aut- Wort. ״Sie haben mir eine unglückliche Mitthcilung zu machen," fügte er mit gepreßter Stimme hinzu. ״Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht widersprechen," erwiederte der Doktor, ihn voll Theilnahme betrachtend. ״Man sagt, das Unglück kommt stets zu früh, doch das ist ein unsinniges Sprichwort, gar oft ist das Unglück nur dcßhalb ein Unglück, weil es zu spät zu unserer Kenntnis; gelangt, während, wenn man zu rechter Zeit es in's Auge faßt, es sich nicht selten bekämpfen läßt." ״Reden Sie, um Gottcswillen, spannen Sie mich nicht länger auf die Folter." ״So will ich mich kurz fassen und ich hoffe, Sie werden finden, daß sich noch alles glücklich wenden laßt. Ich hatte heute gegen Abend noch mehrere Patienten zu besuchen, mein Weg führte mich in die Nähe des Benediktinerklosters z in Nachdenken vertieft achtete ich wenig auf meine Umgebung, als das Weinen eines kleinen Kindes meine Aufmerksamkeit erregte. Ich blickte auf und war nicht wenig überrascht, als ich die Wärterin Ihrer Kinder, Ihr jüngstes Kind im Arme, in jenes Kloster treten sahen." ״Was hat das Weib mit meinem Kinde im Kloster zu suchen!" fuhr Dal Monte auf, ״o ich danke Ihnen, Herr Doktor, danke Ihnen aus tiefsten Herzensgründe" und er ergriff die Hand des Arztes, die er tnnig drückte. ״Großer Gott! welch'entsetztiches Malheur hätte sich ereignen könne», wenn Sie nicht noch zu rechter Zeit mich gewarnt. Aber ich will auch augenblicklich —" ״Ruhig mein Freund, ruhig! mäßigen Sie sich. Fassen Sie all' ihre Kaltblütigkeit zusammen und hören Sie weiter."