Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 6 (März 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-03-01
- Page
- 200 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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200 Angela, ״Sie sind noch nicht zu Ende? Gott, mein Gott, was werde ich hören müssen!" ״Ich nahm mir vor," fuhr der Doktor fort, ״die Person zu beobachten. Ich trat in das Haus eines meiner Patienten, das dem Kloster gerade gegenüber liegt, und wußte hier mich so znplaciren, daß ich jenes stets im Auge behielt. Mit heiteren Gesprächen suchte ich meinen Kranken zu unterhalten, um mein längeres Verweilen so wenig auffallend als möglich zu machen, denn eine volle Stunde war bereits verstrichen, als ich die Klosterpfvrte offnen und Ihre Kinderwärterin heraustreten sah. — Bestürzt, voll düsterer Ahnung machte ich mich auf den Weg, als mir ein Bettler entgegcntrat; ich vertröstete ihn ans morgen, weil ich heute am Sabbath, kein Geld bei mir hatte; er war schon im Begriff sich zu entfernen, als mir cinfiel ihn zu nütze׳.!, denn ich hatte in ihm einen Burschen erkannt, auf dessen Treue ich mich verlassen zu können glaubte. Er ist vor einigen Monaten überfahren worden; ich war zufällig in der Nähe, verband ihn sogleich noch auf der Straße und habe ihn bis zu seiner vollständigen Genesung behandelt. Seitdem versäumt der arme Bursch keine Gelegenheit, mich seiner Ergebenheit zu versichern. Bezzo, redete ich ihn an, willst du dir ein Trinkgeld verdienen, und mir einen Dienst erweisen? Mit Freuden, Herr Doktor, erwiederte er, will ich Ihnen tausend Dienste erweisen, ohne einen Heller dafür zu verlangen. Nun wohl, fuhr ich fort, stehst du jenes Weib dort mit dein Kinde im Arm? Sie hat jetzt eben das Benediktinerkloster verlasse!!, nachdem sie dort eine Stunde verweilt. Du hast mir öfters erzählt, daß du in jenem Kloster Zutritt hast, daß einige Laienbrüder die Ucberreste von ihren Mahlzeiten dir zukommen lassen und dich zuweilen zu kleinen Dienstleistungen benützen und auch wohl mit dir plaudern. Nun geh hinein, suche zu ersahrcn was jene Person so lange im Kloster gemacht, oder was man dort mit ihr gemacht, jedoch ohne einer menschlichen Seele zu verrathen, daß ich dich dazu veranlaßt, sonst bringst du mich, den du deinen Wohlthätcr nennst, iu's Unglück. Ich verlasse mich auf deine Treue. Sobald du etwas erfahren hast, thcile es mir mit nnd ein Trinkgeld ist dein Lohn - der Bursch bctheuerte mir Bereitwilligfeit der Bunschwiegenheit und hat mir jetzt eben Antwort gebracht."