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Jeschurun · 1868-03-01 · Heft 6 (März 1868) · p. 196

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 6 (März 1868)
Article
Angela
Date
1868-03-01
Page
196 (sequence 6)
Language
German
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196 Angela mit ihrem schonen Knaben, während Angela immer unruhiger und ängstlicher ward. Sie nahm stch vor mit ihrem Schwager über die Unzulässigkeit׳ eines solchen Vertrauens in die Wärterin seiner Ktnder zu sprechen Dämmerung war bereits hercingcbrochcn, als endlich Gianna mit der Kleinen im Arme erschien. Das blühende Kind streckte der Mutter die vollen runden Acrmchen entgegen und lallte Mama, Mama, und Giuditta vergaß bei diesem lieblichen Anblick, daß sic Ursache hatte der Wärterin zu zürnen. ״Wo ist sie denn so lange mit dem Kinde gewesen?" konnte Angela sich nicht enthalten zu fragen. ״Wir sind ja schon längst daheim, Fräulein," war die Antwort, ״aber das Kind hat geschlafen, darum bin ich nicht mit ihm hercingekommen." Angela wußte, daß dies׳ eine Unwahrheit, aber sie war hier nicht Herrin; ihr kam es nicht zu, die Dienstboten zur Rede zu stellen und Giuditta liebte die Ruhe viel zu sehr, als daß sie sich mit ihrer treuen Gianna hätte Überwerfen mögen. Die Nacht brach herein. Mit freundlichem Gruß trat der Haus- Herr, der eben aus der Synagoge heimgekehrt war, ins Zimmer. Leo sprang ihm entgegen; segnend legte der Vater die Hand auf seines SohncS Haupt und trat dann zu seinem jüngsten Kind, das die Wärterin wieder auf dem Arme hielt. Angela's Auge folgte ihm; sie gewahrte wie Gianna's Lippen zuckten, wie ihre Nase sich zusammenzog, als ihr Schwager auch die Kleine segnete. ״Sie haßt uns Juden" murmelte das junge Mädchen und beschloß die Wärterin weiter zu beobachten. Der Hausherr schickte sich an, Havdalah zu sprechen, Leo hielt die geflochtene Wachskerze und hielt sie in kindlichcm Mnthwillcn höher und höher; sein kleines Schwesterchen jauchzte dazu und wollte mit den Händchen 'danach greifen, ״maloästto" flüsterte Gianna, wandte das Kind rasch vom Lichte weg und verließ mit ihm das Zimmer. Angeln war überzeugt in der vermeintlich treuen Dienerin ihrcr Schwester eine erbitterte Feindin ihres Glaubens zu erkennen. Sie überlegte eben, wie fle ihren Schwager darauf aufmerksam machen wollte, der indessen in heiterer Weise sich mit seiner Frau unterhielt. ״Nun Angela, wie hat dir denn der Sabbath bet uns in der^Stadt gefallen?" wandte er sich endlich an diese, ״ich fürchte

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