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Jeschurun · 1868-03-01 · Heft 6 (März 1868) · p. 195

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 6 (März 1868)
Article
Angela
Date
1868-03-01
Page
195 (sequence 5)
Language
German
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195 »ber bas Schwesterchen hat immer geschlafen. And da hat an der Wand auf so 'nem kleinen Tisch so'n kleiner goldener Herrgott gestanden und da habe ich mit dem spielen wollen, aber der ist immcr so still da gestanden, da habe ich ihn angefaßt und dann habe ich mich gefürchtet, daß er mir was wieder thun möchte, aber er hat mir gar nichts gethan." ״Was hat denn der schwarze Herr dazu gesagt und Manna?" ״Ach die haben's gar nicht gesehen. Du mußt cs ihr auch nicht sagen, Tante; jetzt ist sie eben wieder zu dem schwarzen Herrn gegangen und hat mich auch mitnchmen wollen, aber ich habe mich gefürchtet, daß er schon gesehen hat, daß ich seinen Herrgott anfaßt habe, darum habe ich nicht hineingehen wollen und habe geschrieen, da hat Gianna ulich nach Hause gebracht und ist mit dem Schwesterchen allein zu ihm hingegangen." Bange Ahnung erfüllte Angelas Brust, als sie von den Besuchen der Kinder bei einem Geistlichen hörte; denn daß der Kleine mit dem schwarzen Herrn einen solchen bezeichnen wollte, schien ihr außer Zweifel. Auch Giuditta nahm sich vor, solches nicht wieder zu dulden, aber sie nahm die Sache doch viel leichter. Es war über- Haupt ein seltsamer Unterschied zwischen den beiden Schwestern, die auf den ersten Blick sich fast bis zum Verwechseln glichen; in Fcrrara, wo blendend weißer Teint und blaue Augen zu den Seltenhciten gehören, nannte man Giuditta die Schönere, in der That aber war es wohl Angela, der diese Bezeichnung gebührte; der reinen durchsichtigen Olivenfarbe ihres Antlitzes fehlte es durchaus nicht an Zartheit, und aus den dunkeln prachtvoll glühenden Angen sprach die ganze Energie ihres Wesens; in allen übrigen waren die Gesichtszüge der Schwestern sich vollkommen gleich. Um so verschiedenartiger waren ihre Charaktere. Angela, obgleich um mehrere Jahre jünger, war in ihrem Urtbcil doch bei weitem rascher und sicherer als ihre Schwester, in ihrem ganzen Auftreten viel bestimmter und selbstständiger. Auch Giuditta hatte dies längst erkannt und ließ sich gern von der jüngeren Schwester leiten, deren höhere geistige Begabnng sie oft bewunderte, nur durfte sie dadnrch in ihrer Begncmlichkcit nicht gestört werden. Sonnenuntergang war nahe, die Wärterin mit dem Kinde war noch nicht hetmgekehrt. In heiterer Sorglosigkeit tändelte Giuditta

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