Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 6 (März 1868)
- Article
- Die Hypothesen der Bibelkritik und der Commentar zur Genesis von Herrn Rabbiner S. R. Hirsch
- Date
- 1868-03-01
- Page
- 182 (sequence 10)
- Language
- German
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182 Die Hypothesen der Bibelkritik. ״diese gestalten kann, und das ist die, daß wir nur das gut nennen, ״was Gott, und das nur böse, was Er uns als solches stempelt; ״nicht aber, daß wir die Enlscheidung von gut und bös unserer ״Sinnlichkeit überlasse». Stellen wir uns unter das Diktat unserer ״Sinnlichkeit, so fallen uns die Pforten des Paradieses zu, und ״erst auf weiten Umwegen gelaugt die Menschheit wieder dahin. Ja 7,es dürfte der Baum von vornherein der Baum der Erkerntniß ״des Guten und Bösen genannt sein, indem er dem Menschen ver- ״gegenwärtigen sollte, was für ihn gut oder bös sei, was er für ״gut oder bös erkennen soll. Es war, wie wir später erfahren, der ״Baum mit allen Reizen für den Geschmack, für die Phantasie, ״und den betrachtenden Verstand ausgestattet; Geschmack, Phantasie ״und Verstand zogen zu ihm hin, sprachen seinem Genuß das Wort, ״nnd doch war der Genuß von Gott verboten, war somit für ״den Menschen als bös bezeichnet. Der Baum vergegenwärtigte ״somit dem Menschen stets die Lehre, von deren Beachtung die ״ganz« Reinheit und Hoheit seiner sittlichen Bestimmung bedingt ״ist: cs kann Etwas nach dem Urtheil der leiblichen Sinne, der ״Phantasie und des Verstandes durchaus gut, ja als ein höchstes ״Gut erscheinen und doch dem höheren Berufe des Menschen zu- ״Wider, doch von Gott als ein todeswürdiges Verbrechen verurtheilt ״sein; *) somit die Lehre: daß der Mensch in Beurtheilung des *) S. 1 דרשות הר״ן (Prag 1811 f. 6 c. flg.): ,בראות תאשר הפרי ההוא בתכונותיו וריחו ותוארו שהוא מתיהם 1$ הנוף ו^ המזג האנושי שפטה בסברחה שאי אפשר שיהי' זה ממית ולא מקצר החיים ואין ספק שמשפטה הי׳ צודק כפי טבע הפרי ומזג הגוף שלא הי׳ מחליש הנוף ומחסרו ״ •אבל הי׳ מחזק אותו זכחותיוAls die Frau sah, daß jene Frucht durch ״ihre Eigenschaften, ihren Duft und ihre Gestalt für den Körper und ״die ganze physische Beschaffenheit des Menschen geeignet fest urtheilte ״sie ihrer Anschauung gemäß, daß es unmöglich sei, daß diese Frucht ״tobte oder das Leben verkürze; und es unterliegt gar keinem Zweifel, ״daß ihr Urtheil nach der Natur der Frucht und der physischen Be- ״schaffenheit des Menschen ein vollkommen richtiges war, da jene Frucht ״den Körper durchaus nicht schwächte oder eine physisch schädliche Wir- ״kung hatte, sondern den Körper und seine Kräfte stärkte." Durch diese Auffassung werden alle Faseleien über eine physische Schädlichkeit des durch das erste Speiseverbot untersagten Genusses vom jüdischen Standpunkte aus zurückgewiesen.