Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 6 (März 1868)
- Article
- Die Hypothesen der Bibelkritik und der Commentar zur Genesis von Herrn Rabbiner S. R. Hirsch
- Date
- 1868-03-01
- Page
- 181 (sequence 9)
- Language
- German
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Von Or. I. Gugenheimer. 181 ״im Menschen bildet, so gewiß koirnte^er nicht Mensch sein, ohne ״Begriff des Guten und dessen Gegentheils. Hätte dem Menschen ״der ganze Begriff des sittlich Guten und Bösen gefehlt, es hätte ״Gort ihm gar kein Verbot ertheilen und wegen Uebertretung des- ״selben ihn nicht zur Rechenschaft und Strafe ziehen können׳. Beides ״setzt bei dem, welchem das Verbot ertheilt wird, das Bewußtsein ״^er Pflicht, des Pflichtgemäßen und Pflichtwidrigen voraus; das ,)ist ja aber eben nichts Anderes als die Erkenntnis; von Gut und ״Bös, eine Erkenntniß, die ja der praktischen und nicht der theo- ״rethischen Vernunft angebört. *) Vielmehr durfte der Baum, der ״Baum הרעת טוב ורע, wie so oft, על שם סובו, von vorn herein nach ״dem Enderaebniß, als der Baum bezeichnet sein, an welchem es ״sich entschied, was der Mensch für sich als gut oder bös erkennen ״wollte. Es gibt nur eine Bedingung, die die Erde.uns zum Para- *) Die Annahme, daß der erste Mensch vor dem Genüsse vom Erkenntnißbaum nur der theoretischen und nicht auch der praktischen Vernunft lheilhaft gewesen sei, scheint auch der Sanhedrin 56 b. und Bereschit rabba c. 16 angeführten Lehre unserer Weisen zu widersprechen, nach der dem ersten Menschen mit dem Verbote des Genusses vom Erkenntnißbaume auch die sieben oder die sechs ersten noachidischen Pflichten geoffenbart wurden; schon die erste derselben, רינין, die Rechtspflege, seht die Eristenz der praktischen Vernunft nothwendig voraus, und hätte dem ersten Menschen nicht, wie in der angeführten Talmudstelle ausgesprochen wird, vor der Sünde geoffenbart, hätte von ihm gar nicht begriffen werden können, wenn er damals nur auf die theoretische Vernunft beschränkt gewesen wäre, wenn er wie More Nebuchim I. 2 angenommen wird, nicht die Fähigkeit gehabt hätte ״ להשתמש במפורסמות בשום פגים או להשיגםdie Begriffe des sittlich Guten und Bösen in irgend einer Weise in An- Wendung zu bringen oder sich derselben auch nur bewußt zu werden." Wir lassen es dahingestellt, ob der Widerspruch, der sich aus dem Vergleiche dieser Stelle mit הלי מלבים IX 1 ergiebt, wo der eben angeführten Midraschstelle gemäß gelehrt wird, daß dem ersten Mensehen sechs noachidisehe Verpflichtungen übertragen wurden, sich etwa dadurch lösen lassen dürfte, daß Maimouides, der in letzterer Stelle nicht den im Talumd und Midrasch für die Offenbarung der noachidischen Pflichten an Adam angeführten Schriftvers citirt, etwa der Ansicht war, daß diese Offenbarung erst nach der Sünde stattfand?