Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1868)
- Article
- Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen
- Date
- 1868-01-01
- Page
- 160 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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160■ Rundschau ttn Gebiete jüdischer Interessenerwähnte Schreiben Wir gestehen, daß nns dasselbe nicht weiiig begierig machte, das aufgeführte Lustspiel kennen zu lernen. Schänder Titel erschien uns in eigciithiimlichcm Contraste zn der angeführten Empfehlung. ״Saul und David", als ״Lustspiel mit Gesang" ist schon sonderbar, wo aber bei diesem Thema ״ein urwüchsiger Humor" sich zn entfalten Gelegenheit haben, wollte uns nicht eiulcuchten. — Wir nehmen es zur Hano und wahrlich nicht zu unserem ״Amüsement"; keine Entrüstung — tiefer Schmerz überwältigte uns bei der Lektüre. Bis zn welchem Grade muß in der jüdischen Gemeindc Hannover's alles ״Jüdische" in Vergessenheit gerathcn sein, daß man einem seiner angesehensten Vereine solche Schmach — wie die Vorführung dieses ״Lustspiels" in sich schließt — anzuthnn wagt! — Die von der hannoverschen Gesellschaft so beifällig aufgenommene ״Dichtung" ist ihrer Form nach eine in geschmacklosester Weise zusammengewürfelte Compvsition von Anklängen aus Opern, Couplets, Volksliedern!!. s. w. untermischt mit Trivialitäten. Die Sprache tli erbärmlich. Doch das berührt nns nickt, — den Maßstab der Kritik wollen wir an dieses Werk nickt anlcgen. Dasselbe prätendirt auch wohl nicht als ״Dichtung" angesehen zu werden. — Es irritirt uns auch nicht, daß es geschrieben ist, — es wird des Schlechten ja genug geschrieben, daß man schon etwas zu vertragen gelernt hat. Daß aber vor einer gebildet sein wollenden, specisisch jüdischen Gesellschaft zur Feier des Chauuckafcstes ein solches Stück aufgesührt, daß dieses »ist den! Zeichen des größten Beifalles ausgenommen werden kann, das ist ein tief erschütterndes ״Zeichen der Zeit". — Mag hier eine Skizze dieser Chanucka-Unterhaltung eines großen, angesehenen jüdischen Vereins ihre Stelle finden. Jonathan wird als ein wüster Säufer und Spieler geschildert, Saul ebenfalls als Schlemmer und Tninkeubold. David wird uns als ein der Frauenliebe zugethaner Natursänger vorgeführt, Michal erscheint als eine in roher Sinnlichkeit schwelgende cvkette Dirne, Abner als Feigling und Samuel als intriguanter Pfaffe in der schlimmsten Bedeutung des Wortes. König Saul leidet an Melancholie, was sein Sohn Jonathan folgendermaßen berichtet: