Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1868)
- Article
- Aus der Residenz
- Date
- 1868-01-01
- Page
- 143 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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To« einem Kleinstädter. 143 Esgehtdie Weisung voran, ״die folgenden Pss. werden in abwechselnder Reihe je einer respondirt. Am Sabbath wird außerdem noch Ps. 92 und 93 gebetet." ״Für die übrigen 3 Feste werden die Pss. nach Angabe der Ueberschrift gewählt." Natürlich stehen wir viel zu tief, nach dem Grunde forschen zu dürfen, warum gerade dieser Psalm dem einen, jener wieder dem ander» Festtag zu Theil geworden ist. Daß wir bei dieser Eintheilung kein Prinzip zu erkennen im Stande sind, ist gewiß nur die Folge unserer Kurzsichtigkeit. Andere Proben der Höflichkeit und der Humanität sind noch, daß שלא עשני ■גוי in שעשני ישראל geändert ist, wo durch Verwandlung einer doppelten Verneinung in eine einfache Bejahung die Möglichkeit eines Anstoßes, der, wir wissen freilich nicht von wem, hätte erhoben werden können, beseitigt ist. Ferner sind alle Gebete von Ausdrücken emendirt, wie המדריכנו על במות אויבינו, oder ואל חתן נחלתך לחרפה למשל בם גויס. Ferner sind sehr human, sehr menschenfreundlich in שמע תפלה, nach תפלת עמך ישראל noch die Worte ותפלת בל פה interpolirt. Sehr zierlich ist auch,für ולא נחתו»• לגויי האחיות geändert: לדורשי אלילים. Welch' eine Intoleranz wäre es auch, noch Heuzutage zu verlangen, daß die Thora מורשה קהלת יעקב bliebe! Nein, nur die Leute mit idolatorischen Tendenzen wollen wir fern halten von der Ausübung der Gebote; alle anderen mögen sie beobachten. Wie intolerant war dagegen die Vorschrift der alten Rabbiner, alle Nichtjuden von der Verpflichtung die Gesetze zu beobachten fern zu halten! Eine Sache freilich ist uns doch noch immer nicht deutlich; es gibt in diesem Gebetbuche doch sehr viel שנוי מטבע שטבעו הבמים, ein Verfahren, das sich selbst vom einfachen Standpmkte philologischer Treue schwerlich rechtfertigen läßt. Diese ist bei der philologischen Wissenschaft so nothwendig, wie den Menschen das liebe Brod. Die Denkmäler der Literatur hat sie von Corruptionen aller Art zu reinigen, von Verstümmelungen, Interpolationen, Aenderungen, welche durch Abschreiber in alte Texte sich eingeschlichen haben. Aber nicht immer haben sie sich eingeschlichen, manchmal sind sie mit Bewußtsein hineingetragen. Haben Sie nie gelesen, mit welcher Entrüstung so mancher Philologe gegen die katholische Geistlichkeit loszog, wei! diese sich nicht gescheut hat, Stellen aus alten Classikern, welche sie für unvereinbar mit der Reinheit der Sitten hielt, auszumerzen? Mit welcher sittlichen Entrüstung wird da igegen id'iese Fälscher gepredigt, wie sie!sich des -Hochverraths gegen die Wissenschaft schuldig gemacht; wie sie sich für ewige