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Jeschurun · 1868-01-01 · Heft 4-5 (Januar 1868) · p. 142

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 4-5 (Januar 1868)
Article
Aus der Residenz
Date
1868-01-01
Page
142 (sequence 9)
Language
German
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-er Zeit. Dazu sind wir viel zu zartfühlend. Wie, unsere Zeit, welche aus purer Menschenliebe Chaffepots erfindet, nur damit die Schlachten rasch entschieden sein sollen, und somit viele Menschenleben erspart bleiben, sollte das Blut eines unschuldigen Lämmleins vergießen können, und das zur Ehre Gottes! Aber was bedeuten dann Sätze wie die folgenden: יהי רצון שתקבל ברצון אח חפלתינו ביום השבת הזה כמו שרצית בקרבנוח שהקריבו לפניך אבותינו תמירים בסדרם ומוספים כהלכתם כמו שכתוב, woraus dann der betreffende Abschnitt aus dem Pentateuch über das Opfer folgt. Oder an andern Stellen, in welchen immer in sehr höflicher Weise die Schuld von uns ab und auf unsere Ahnen gewälzt wird: ולפי שחטאו לפניך אבותינו הרבה עירנו rc. oder ומפני חטאיהם גלו אבותינו מארצם rc.; oder wir finden י״ר . . . שתקבל ברצון אח תפלתינו . . . כאשר רצית בקרבנות שהקריבו לפניך אבותינו und וקבל ברחמים ארש שפתינו כקרבנות שהקריבו לפניך אבותינו. Es hat also einmal einmal eine Zeil gegeben, in welcher G ott allerdings an solcher blutiger Verehrung Wohlgefallen fand, ein solches Wohlgefallen, daß wir bitten, dasselbe möge er an unfern Gebeten finden. Wir sind also doch vorgeschrittener — als Gott? O nein, Gott stellte sich damals nur so, weil die Menschen noch nicht klüger waren. Gott richtet sich streng nach dem Zeitgeiste. עמו אנכי בצרה, d. h. Gott wandelte niit den Israeliten in ihrer Einfalt mit. Jetzt sind wir über diese Grausamkeiten erhaben, also ist es auch Gott. — Giebt es eine Anschauung, welche mehr im Staude ist zu richtiger Verehrung der liberalen Rabbiner der Jetztzeit zu führen! Sehet ihr nicht, daß sie das Ebenbild Gottes sind, desjenigen Gottes nämlich, welchen sie selbst gestalten. Freilich heißt es da nicht: בצלם אלקי' עשה את הארס sondern vielmehr:את האלקי׳ עשו בצלמם! — Wir haben eben von Höflichkeit gesprochen, ein höflicher SO ,amt ist der Regulator dieses Gottesdienstes allerdings, erstens der Gemeinde gegenüber. Da ist sehr Vieles geschehen zur Bequemlichkeit der Gemeinde. So erscheinen viele Gebete in abgekürzter Gestalt, andere auf verschiedene Zeiten des Jahres vertheilt, welche sonst an einem und demselben Tage ausgesprochen wurden. So von den Psalmen, welche den פסוקי ותמרה für Sabbath und Festtage zugefügt sind, ist Ps. 135 bestimmt worden an den zwei ersten Tagen des Peßach und dem achten des Hüttenfestes gesprochen zu werden, Ps. 136 an den zwei letzten Tagen M Peßachsestes rflstf.

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