Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1868)
- Article
- Aus der Residenz
- Date
- 1868-01-01
- Page
- 140 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueberzeugung, daß die Besucher der alten Synagoge ihn eben so gerne hören, als wahrscheinlich mit denen der neuen der Fall ist, oder vielmehr, hat der Herr nicht die Ueberzeugung des Gegentheils? — Da haben wir gleich wieder diese Verdächtigungen und Gehässigkeiten; wollen Sie nicht gar behaupten, der Herr wäre intelerant genug seine Meinung Andersdenkcndcn aufdrängcn zu wollen? — Um Gotteswillen, verstehen Sie mich nicht falsch; ich einen Mann von der Richtung dieses Herrn intolerant nennen, hei einem solchen Manne von beabsichtigtem Aufdrängen der Meinung sprechen! Ein solcher ist ja vollkommen in seinem Rechte, als Prediger ist er ja berufen für das Heil der Seelen zu sorgen, wie ein Hirt für seine Schaafc. Gewissensfreiheit und das Recht seine Meinung frei zu äußern muß doch auch er für sich in Anspruch nehmen; nur dieses treibt ihn dazu, nein, nein, nicht dem Gewissen der Hörer Zwang anzuthun, sondern die alten, verrotteten Chimären aus ihrem' Gehirn auszumerzcn, den Leuten den Weg zu Licht und Wahrheit vorzuzeichnen. — Aber der Herr hat für den Gebrauch der neuen Synagoge ein Gebetbuch cingeführt, in welchem Ver- Lnderungrn vorgenommen sind, welche wesentli i e Punkte der Religion berühre». I» der alten Synagoge dagegen sind die alten Gebete unverkürzt beibchalten; ״alle Klagen, zu welchen wir in der Jetztzeit keine Ursache haben", sind, wie es in der Vorrede zum neuen Gebetbuche heißt, ״entfernt"; dasselbe ״enthält keine Bitten und Hoffnungen, in deren Erfüllung wir kein Heil erblicken, von uns mit Aufrichtigkeit nicht ausgedrückt werden können". In der alten Synagoge aber werden jene Klagen noch immer geäußert, jene Bitten noch immer vorgetragen, jene Hoffnungen noch immer gesagt; wie aber? Er, der Verfasser des neuen Gebetbuches wird doch nicht beten, was von ihm ״mit Aufrichtigkeit nicht ausgedrückt werden kann", er wird doch nicht unaufrichtig zu Gott sprechen! Andrerseits können wir uns aber doch nicht denken, daß er mitten oder vielmehr an der Spitze einer Versammlung stehen wird, welche Gott mit Klagen belästigt, welche er nicht theilen kann, weil er in der Jetztzeit keine Ursache zu denselben sindet; welche mit Bitten und Hoffen den Himmel bestürmen, welche er als aufrichtiger Mann nicht avssprechen kann, mithin auch nicht ausspricht; er, der Prediger, der Rabbiner, wird doch nicht von Gott das gerade Entgegengesetzte