Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1868)
- Article
- Aus der Residenz
- Date
- 1868-01-01
- Page
- 137 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Bon einem Kleinstädte«. 13 t > ich hatte mich jener Menge von Schwächlingen angeschlossen, welche bet jedem Worte des Gegners beben und zittern wie ein dürres Blatt am Baume; welche, wenn sie hinausgehen in die Welt, um mit denjenigen zu verkehren, welche ihrer frommen Gesinnung entgegentreten könnten, gern ein Zettelchen auf die Stirne sich befestigen möchten, mit der Aufschrift: ich bin zwar orthodox, aber doch gebildet; folge zwar den Lehren der Bibel, bin aber doch human; wandle zwar nach den Satzungen der Rabbiner, bin aber doch tolerant! Zu dem großen Haufen Derer, welche glaube», daß, weil den Meinungen und Ueberzcngungen des Gegners momentan von größerer Anzahl gehuldigt wird, dieser auch das Recht hatte, verächtlich auf die Minderzahl herabzublicke»; wie sie sich schämen würden einunpraktisches nur dem Auge etwas darbietendes Modekleid nicht anzulegen, sondern in dem altbewährten, wärmenden Gewand sich den Augen der Welt zu zeigen. Und nun gar dieser schrecklichste der Schrecken, der Vorwurf des Fanatismus, der Intoleranz, der Humanitätslosigkeit! Erkennt ihr das Chamäleon nicht, das alle Farben «»nimmt, nur nicht die weiße? Sehet ihr nicht, daß diese Namen Alles besagen, nur nicht die Wahrheit? Kennt ihr den Kunstgriff jener zwei Zankenden nicht, von denen jeder dem andern gerade die Beschimpfung ins Anlitz wirft, welche er zu erleiden erwartete, und so den: Feinde die Möglichkeit nahm dieselbe vo>zubringe»? In der Sprache, welche durch Convention und Mode ausschließlich das Bürgerrecht erlangt hat, ist von richtiger Definition keine Rede; da gilt ein anderer Katechismus. Wenn Einer; der sich dem orthodoxen Judenthume beizuzählen nicht scheut, gegen Angriffe seine Ueberzengnng vertheidigt, sich nicht durch falsche Vorstellungen irre leiten läßt, sondern mit Festigkeit bei den als Wahrheiten erkannten Grundsätze» verharrt; sofort ertönen aus dem oft nur zu nnbefugten Munde des Gegners die einschlägigen Jnvektivrn: Fanatis- MUS, Erstarrung, Verknöcherung, vor Fortschritt verschlossener Sinn, Stolz u. s. f. Verliert nun der Orthodoxe den Muth zum Theil, xann er der Sintffnth der Begeisterung, mit der ihn sein Gegner überschwemmt, nicht den nöthigen Damm vorlegen, ohne jedoch Zeinen Meinungen beizupflichte», muß er sich alsdann Ausdrücke gefallen baffen, die er sich gegen Andere unter keinen Umständen gestatten würde: wäre, dasjenige, worunter er hier zu Heiden hätte, und das ihm so