Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1867)
- Article
- Aus der Residenz
- Date
- 1867-12-01
- Page
- 99 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Bon eittem Kleinstädter. 99 Sie mich hergeführt haben; noch nie hörte ich weder eine solche Predigt, noch sah ich einen solchen Prediger. Nach dem Gottesdienste nun erzählte mir mein Freund alles was er von den Leuten der — — Vereins wußte. Ich konnte mir danach einen Begriff bilden von dieser Nebengemeinde, von denjenigen, welche in — — allein die ächten Frommen sind. Der Synagogcndienst daselbst wurde eröffnet mit dem Motto: keine Abschaffung der פיוטים. Eine sehr schöne Sache, wird gewiß mancher Leser sagen. Sind es doch die פיוטים, welche bei jedem Feiertage uns die bezüglichen דינים mittheilen, sie sollen nicht abgcschasft werden . . .? — Nein, liebe Freunde, so ist es nicht gemeint, nur das פיוטים sagen an jedem Feiertage soll nicht abgeschafft werden, so ist es gemeint. Beobachten das was wir sagen? Jawohl! Da müßten wir nicht bloS die פיוטים sondern auch die einfachsten Gebete beseitigen. Was sollten wir daun mit ושמרו בני ישראל אח השבת ansangen? Abschaffen. Würwir קריאת שמע mit den Worten ועשיתם אח כל מצות׳ beibchalten können? Mit Nichten. Ist es nicht genug daß wir den alten Gottesdienst (verstehe Synagogendieust) betbehalten? Aber jeden Sonnabend sollten wir unsere Geschäfte schließen? Das ist ja rein unmöglich! Uebrigens, was geht es Sie eigentlich an was ich privatim thue? In der Synagoge darf nichts geändert werden, der Dienst in derselben muß bleiben was er von jeher gewesen ist; aber was ich für mich thue habe ich nur vor mir zu verantworten. — Allerdings, solche Argumente bringen mich zum Schweigen des Grabes. Ich bitte Sie, entschuldigen Sie meine Frage. Der fromme Mann entfernte sich, er wollte wie er sagte, einen Augenblick sich in sein Geschäft begeben, nur um sich einmal umzusehen. Er käme bald nach Hause, wo er mich anzutreffen hoffte. Als ich eine halbe Stunde später in seine Wohnung eintrat fand ich ihn schon in der Mitte der Seinen. Auf der Hausflur Hörte ich eine Stimme, welche einer jungen Dame anzugehören schien, mit einem-gewissen Pathos den Namen Offenbach mehr deklamiren als aussprechen. Dies nun verursachte mir keinen kleinen Schrecken; mir, dem Kleinstädter, welchem dieselbe musikalische Befähigung inncwohnte, als wäre ich bei den Fröschen in die Schule gegangen. Nun sollte ich in -einen großstädtischen Kreis eintretcn, wo ich doch wahrscheinlich mein Urtheil über -Tonkunst und Tonkünstler abgeben müßte, und ich fühlte