Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1867)
- Article
- Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen
- Date
- 1867-12-01
- Page
- 92 (sequence 7)
- Language
- German
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92 Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen. dürfnissr", ״welchen Genüge zu leisten sei" und denen man Rechniing tragen müsse. Mit Recht weist der ״Univers Jsraelite" diese Präsumtionen und ihre Consequenzen in schlagendster Weise zurück. Er hält Frankreich Deutschland als warnendes Beispiel entgegen und zeigt wie alle Reformenbestrebungen im Gottesdienste dort nicht vermochten, trotz prächtiger Synagogen, Orgel, gemischten Choren, abgekürzten und abgeschafften Gebeten, Einführung der Landesals Gebetsprache re. rc., die Synagoge zu füllen, während dem unreformitten Gottesdienste dort die Beter zustwmen. ״Und wenn", fährt er fort, ״eS nun aber auch wirklich gelingen sollte durch eine mehr oder minder glückliche Umgestaltung des Cultus einige Menschen zum Gottesdienste heranzuziehen, was wird man denn thun um diese zu veranlassen die anderen unendlich wichtigeren göttlichen Gebote zu erfüllen, wie z. B. die Speise-, Sabbath- und Ehegesetze? Welche Reformen sollen eingcführt werden, ״um die Ucbertretnng dieser Gesetze zu mindern? Gibt es auch in diesen Gebieten ״neue Ideen", denen man Rechnung tragen und ״neue Bedürfnisse", denen man gerecht werden muß?" Mit vielem Selbstgefühle schaut der Hirtenbrief auch auf die Consistorialbchvrde» hin und hebt cs rühmend und anerkennend hervor, daß wenn auch in denselben Männer sich befinden, die vom göttlichen Gesetze abweichende, kühne Ansichten hegen, sie doch nicht dje Absicht haben, diese, ihre unjüdischen Ansichten, zur Geltung zu bringen, ״weil sie wissen, daß wenn sie auch das Recht haben, ihre Meinungen zu äußern, sie doch nicht berechtigt sind diese aufzudrängen." Entrüstet ruft der ״Uuivers Jsraelite" dem Hirtenbriefe entgegen ״Nein, Herr Oberrabbincr, gestatten sie uns die Meinung, daß sie nicht das Recht haben ihre unjüdischen Ansichten vor dem heiligen Schreine, vor der Gemeinde Gottes zu äußern und so das Heiligthum zu schänden, wie solches zur unerhörten Schmach der Präsident des Centralconsisioriums geihan hat*). Diese Männer, welche in Bezug auf die Ccremonialgesetze ״abweichende, kühne, unmögliche" Ansichten hegen, das heißt Ansichten, welche von dem wah- *) Bei Gelegenheit der jüngsten Jnstalürung des gegenwärtigen Centralconsistorial-Großrabbiners, Herrn Isidor.