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Jeschurun · 1867-12-01 · Heft 3 (Dezember 1867) · p. 91

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Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 3 (Dezember 1867)
Article
Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen
Date
1867-12-01
Page
91 (sequence 6)
Language
German
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Rundschau im Gebiete Wischer Interessen. tz; Polen vor, daß kleine Kinder jüdischer Eltern ausgehoben wurden, obschon die hier maßgebend gewesenen RekrulirungS-Vo> schriften solches keineswegs begünstigten. Ein solcher Fall ereignete sich vor mehr als 20 Jahren in Meseriz, einer Stadt im Siedliccr Gonverne- Ment, woselbst ein 7 Jahre altes jüdisches Kind znm Militär genommen wurde. Wie dieses bei den Kindersoldaten vorschriftsmäßig Brauch war, wurde auch dieser Knabe in die griechisch-orthodoxe Kirche ausgenommen. Nach Beendigung deö 20jährigen Militärdienstes kam nun besagter Knabe als Mann nach seiner Vaterstadt zurück, wo er im Schöße seiner Familie in allen Dingen als Jude lebte und statt in die Eerkcw in die Shnagoge ging. Von der russischen Polizei wegen dieses ״Verbrechens" verhaftet, wurde er, als chemaliger Soldat, hier vor eines der in der Citadelle permanent tagenden Kriegsgerichte gestellt. Der Vorsitzende desselben, ein General quasi liberaler Gesinnung, wollte es sich ersparen, eine Verurtheilung auözusprechen, zu der ihn mehr als die bestehenden Gesetze die Eifersucht nöthigte, mit welcher die ultra-russische Presse die politische Seclenjägeret für die orthodoxe Kirche mit Argus-Augen überwacht. Besagter General gab sich alle Muhe, um den Angeklagten auf gutlichem Wege zu bewegen, sein jüdisches Glaubensbekcnntniß zu verleugnen. Bis jetzt aber waren seine Bemühungen fruchtlos, da der Angeklagte standhaft erklärte, den an ihm als Kind vollzogene Akt der Taufe selbst durch kein zweideutiges Wort bestätigen zu wollen. Den Unglücklichen erwartet deßhalb Wohl die schwere Strafe der Ausweisung nach Sibirien." In Warschau ist ein Progymnasinm zu einer specifisch jübischen Unterrtchtsanstalt umgewandclt worden, das unter die Leitung eines Rabbiners gestellt ist. Es werden in derselben sämmtliche Discipltncn tn russischer Sprache gelehrt. Man geht mit dem Plane um auch in Bälde ein jüdisches Gymnasium zu errichten. Die Abficht der Regierung ist klar; sie will die jüdische Bevölkerung ganzlich russifictren und sollen die Juden hierzu auch sehr geneigt sein. Der von Herrn Isidor, Araail rabbin du Consistoire ceutral fran§ais, erlassene Hirtenbrief ist ganz geeignet die Wachsamkett der französischen Inden zu erhalten. Der Chef der franzvscheu jüdischen ״Geistlichkeit" tritt mit seinen Absichten freilich noch sehr verschämt hervor. Er meint, unsere Zelt erheische für de» GopteSdienp Verbesserungen re. 1c., rS gäbe ״neue Idee»", ״neue Be-

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