Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1867)
- Article
- Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen
- Date
- 1867-12-01
- Page
- 88 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932987-2932991-2951067--10910-2951091- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V8Ö Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen. verderblich erscheinen, daß zum Kampfe gegen dasselbe sowohl offene Gewalt wie heimtückische lauernde Hinterlist gebraucht werden dürfen. So läßt sich z. B. die ״Allg. Ztg. Judenth." in ihrer No. 47 ״Ans Thüringen" schreiben. ״Wie wett die Hyperorthodoxie sich auch in unfern Tagen noch »ersteigt, das beweisen die Maßnahnien des gelehrten Rabbiner V1-. Enoch in Fulda, früherer Redakteur deS ZiouSwächter fei And. Derselbe verirrt sich in seinem frommen Eifer sogar in die Tanzsalons seiner ihm auvertrautcn Gemeinden, indem er mit aller Strenge das talmudische Verbot des TanzenS an den Feiertagen aufrecht zu erhalten sucht, was in vielen Orten seines Bezirks zu sehr ärgerlichen Auftritten führte und nicht geeignet ist, dessen Ansehen zu erhöhen. Die Welt läßt sich einmal in der Jetztzeit nicht mehr mit solchem rabbtnischen Spuk bannen! — Wenn übrigens der genannte fromme Herr seine Aufmerksamkeit anstatt dem harmlosen Tanzvergnügen dem synagogalen Leben seines Distrikts zuwcnden würde, so könnte er sich wahrlich größere Derdienste um sein geistliches Amt erwerben. Auf diesem Felde sicht es noch.traurig aus; von einer Andacht, einer Würde, einer Ordnung ist am vielen Orten wenig Spur. Hier öfters zeitgemäße Anorduunge» zu te sten, wäre heilsamer als die Revisionen der Schachtmesser, der Mazzmaschinen, die Untersuchungen der Mikwehs, der Erubim, was der fromme Mann zu seiner Lebensaufgabe gemacht zu haben scheint." Man weiß wahrlich nicht, was man zu solcher Jämmerlichkeit sagen soll! So werden in einem ״Organe für alles jüdische Interesse" dessen Herausgeber sich ״Rabbtner" betitelt, die höchsten und heiligsten Gesetze über Trefa, Chamez, Nidda und Sabbath herabgewürdigt und der Rabbiner-Herausgeber riskirt dabei seinem Publikum gegenüber nicht dasAllcrmindestel Zn Württemberg wird jetzt das Talmudstudium zu einer nie geahnten Blüthe gelangen; der Oberkirchenvorsteher Salonion Jakob Kaulla in Stuttgart nämlich hat eine Stiftung von 5000 Gulden gemacht, wofür der mosaischen Theologie beflissene Junglinge in drei wöchentlichen Stunden unentgeltlichen Unterricht im : Talmudstudium bei dem jeweiligen Stuttgarter Rabbiner erhalten sollen! Da wäre unsere Zeit nicht zu beneide», die so Großes leistet und daS Talmudstudium für Rabbiner so gründlich betreibt?! Oesterreich, das nach dem vorjährigen Kriege seine Kräfti-