Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1867)
- Article
- Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen
- Date
- 1867-12-01
- Page
- 89 (sequence 4)
- Language
- German
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Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen. 89 gung in der Umgestaltung seiner innern Verhältnisse nach den Principien der Freiheit und Aufklärung sucht, hat in seiner Vertretung ein glänzendes Zeugnist des Ernstes abgelegt, den es für die wahrhafte Bcthättgung und Verwirklichung dieser hehren Principien hegt. Das Gesetz über die Rechte der Staatsbürger wie eS aus beiden Häusern unter Genehmigung der Regierung hervorgegangen, athmct einen so frischen Geist wirklicher Humanität und Freiheit, daß Deutschland staunend sich fragt, ob dies denn das Oesterreich sei, das ob seiner mittelalterlichen, düstern Gesinnung noch im vorigen Jahre als ein unwürdiges Glied aus dem deutschen Staatenbunde ausge» stoßen wurde? Die vollständige Gleichstellung aller Confesstoncn im bürgerlichen und politischen Leben, der gleiche Anspruch aller Neligionsgenossenschaften auf gegenseitige vom Staate zu schützende Achtung, die Aufhebung des Zwanges der Angehörigen eines Rcligionsbekenntnisses die Feiertage eines andern mit zu halten, vielmehr die ausdrückliche Gestattung des Geschäfts- und Ge- Werbebetriebes Seitens der Bekenner einer Religio» an den Feiertagen einer andern, — die Untersagung von Verleitung zum Religionswechsel durch List oder Gewalt — sind darin gewährleistet. — Das österreichische Abgeordnetenhaus erhob auch seine Stimme zu Gunsten der in Galizien versuchten Verleitungen jüdischer Kinder zum Uebertritte zur katholischen Religion. Auch bei Berathung des Schulgesetzes stellte sich das Abgeordnetenhaus voll und ganz auf den Standpunkt des vorurtheilsfreien Fortschritts und votirte ein Gesetz, das in Beziehung auf die Anstellung jüdi« scher Lehrer an öffentlichen Schulen die preußische Praxis weit überholt. — Den! ungarischen Landtage ist von der Regierung eine Gesetzesvorlage in Betreff der Emancipation der Inden zugegangen, das mit lebhaften Eljenrufcn begrüßt wurde. — Hoffen wir, daß alle diese Gesetze bald publicirt werden und in's Leben der österreichischen Stämme dringe. — In 33 r tum fand auf Veranlassung der Regierung eine Versammlung von Rabbinern, Lehrern und Vorstehern der Markgrafschaft Mähren statt, welche über den jüdischen Religionsunterricht und die Errichtung von Rabbinerschulcn beratbe» sollte. Leider sind die Beschlüsse derartig, daß wir uns nicht mit denselben freuen können. Sie geben der gerechten Befürchtung Raum, daß Halbheit und Unwissenheit Platz greifen und diese beiden gefähr-