Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1867)
- Article
- Worte, gesprochen in der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. ... zum Gedächtnis des am 12. Marcheschwan verstorbenen Oberrabbiners Salomon Klein zu Colmar
- Date
- 1867-12-01
- Page
- 82 (sequence 12)
- Language
- German
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M Worte »r. re. zum Gedächtniß des verstorbenen nicht Einen auf dem ganzen fränkischen Boden, nicht Einen, der diesem Rabbi Salomvn Wolf Klein gletchgekommen wäre. Suchte man einen Talmudisten, es war Klein, suchte man einen klassisch und zugleich jüdisch gebildeten Gelehrten, einen jüdischen Theologen wie man das nennt, man fand doch nur den einen Klein, und so sehr leuchtete Klein unter Allen als der Einzige hervor, daß, wenn dieser Klein nur hätte wollen, nur ein klein Bischen weniger unerschrocken gewesen wäre, ein klein Bischen von der Wahrheit hätte abweichen ' wollen, wenn ihm die Sache Gottes nur ein klein Bischen weniger am Herzen gelegen hätte, als sein eigenes Interesse, als seine eigene Ehre, als sein und der Seinen Wohl, wenn er nur ein kleines Bischen sich hätte beuge», ein kleines Bischen hätte cinstimmcn wollen in die zeitgenössische Lehre von der religiösen Connivcnz — wie hätten sie ihm geschmeichelt, wie hätten sie'ihn geehrt, wie hätten sie ihn auf den Händen getragen, wie hätte sich das jüdische Frankreich seiner gerühmt, hätte stolz darauf hingewiesen, daß ein solcher Mann auS seiner Mitte hervorgegangc», wie hätten sie in ihrer Weise und in ihrem Sinne gerufen: 121 1מי כהחכם ומי י11ע פש, wo giebt es noch einen solchen Weisen wie Klei», der es versteht, die Frömmigkeit, und die jüdische Wissenschaft anszugleichen mit der Wissenschaft und den Anforderungen der Zeit! Klein verstand das 121 1172 anders. Ihm galt es nicht die nun mit dem Leben sondern das Leben mit der ,Hin auszuglcichen. Er zeigte nicht, wie man das göttliche Gesetz mit der Zeit auszugleichen hätte, wie man an der göttlichen Wahrheit herum zu sinnkern hätte, um sie der Zeit mundgerecht zu machen und in Einklang zu bringen mit den Anschauungen und den vermeintlichen Bedürfniffcn der Zeitgenossen; sondern, wie man die Ausgleichung der Zeit und des Lebens mit dem göttlichen Gesetze vollzieht, wie man ein ächt frommer, gewissenhafter Jude und Meister der jüdischen Wissenschaft, voller Begeisterung für die ganze jüdische Wahrheit und das ganze jüdische Leben und doch, oder vielmehr eben darum zugleich sein könne der gelehrte Franzose, der Mann der Wissenschaft, der Mann des Geistes, worin er sie Alle überflügelte. Von jenem einzig wahrhaftigen 1211172, der Ausgleichung des Lebens und, der Wissenschaft, von jenem 121 1172, auf welchem alle Hoffnung für unsere Zukunft beruht, daß die Thora und die Miz-