Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1867)
- Article
- Worte, gesprochen in der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. ... zum Gedächtnis des am 12. Marcheschwan verstorbenen Oberrabbiners Salomon Klein zu Colmar
- Date
- 1867-12-01
- Page
- 79 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932987-2932991-2951066--10900-2951082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
OberrabbinerL Salomo« Klein zu Colmar. 79 derS begriffen. Er kannte keine Ruhe, er kannte keinen Schlaf, er war ununterbrochen thätig, ununterbrochen in den Gemeinden der ihm überwiesenen Kreise gegenwärtig um zu lehren und zu letten, anzuregen und zu schaffen, wo Lehre und Leitung und schaffende That von Nöthen. Wie war er nicht von Haus zu Hans, von Gemeinde zu Gemetnde gewandert um sich die Mittel zusammen zu bringen eine Lehranstatt für nun und Ausbildung zur Arbeit in's Leben rufen zu können? Schon dieser einzige Zug aus seinem Leben kennzeichnet den ganzen Mann — und sein Geschick. Ihn schmerzte es tief, wie in weiten Kreisen seiner jüdischen Landesgenossen Alles, was das jüdisch Religiöse berührt, und vor Allem die religiöse Kenntniß in hohle Nichtigkeit sich zu verflüchtigen drohte, und der Baum der religiösen Zukunft in seinem Lande der Wurzel entbehrte. Und dieser Schmerz um das allgemeine geistige und sittliche Weh ließ ihm keine Ruh und keine Rast. Er bettelte sich die Groschen zusammen um eine Stiftung zu gründen, aus welcher der Baum der jüdischen Erkenntniß wieder hoffnungsreich emporzusprteßen vermöchte. Und das Werk gelang — und welche Seligkeit empfand er, als das Werk gelungen! Als aber das Werk gelungen und im Aufblühen begriffen war, als der ,תורד wieder eine Pflanzstätte geworden war, als der Mann etwas gcthan, wofür ihm die Mit- und Nachwelt Ehrenkränze auf die Scheitel hätte drücken sollen, da kamen die Schergen, da kam das unjüdische Geschlecht zu dem jüdischen Manne, und was Klein zusammengebettelt hatte, damit die jüdische Jugend erkcnntnißvoll wieder zu jüdischen Männern heranblühen könne und gleichzeitig eine Arbeitsschule der künftigen bürgerlichen Gewerbsthätigkeit gcdcihltchen Vorschub leiste, das Institut, das der Rabbi Salomen Wolf Klein mit seinem Herzblut geschaffen, das wurde auf Antrag der jüdischen Behörde, mit Hülfe jüdischer Genossen, durch die Diener der bürgerlichen Gerechtigkeit geschlossen! Dieser einzige Vorgang hat dem Manne das Herz, gebrochen.