Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 2 (November 1867)
- Article
- Rede
- Date
- 1867-11-01
- Page
- 65 (sequence 4)
- Language
- German
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Von vr. HerrmMn Lipschitz. 65 zur Ausführung ihres Vorhabens zu verhelfen?! — Die Schälet dieser Anstalt würden aus keinen andern Motiven in der jüdischen Lehre forschen als um dadurch ihr zukünftiges Brod sich zu sichern, sie würden daö Studium der heiligen Gottesgesetze als eine gewinnbringende ״Arbeit", als ״Geschäft" betreiben; und vor solchen Rabbincn wie sie aus solchen Schülern werden müssen, möge üns Gott bewahren. Ach! Israel hat schon leider genug solcher Rabbinen, die ihr heiliges Amt als Melkkuh betrachten, und den Schwerpunkt ihres Berufes darin erblicken, über ihre Pfründen ängstlich zu wachen und die Stolagebühren pünktlich einzuheben, industrielle- Seelen, die aus Utilitätsrückstchten gegen ihre innerste Ueberzeugung sprechen und lehren und mit den höchsten und heiligsten Gütern elenden Schacher treiben. Israel hat schon genug solcher Rabbinen, denen es eher passen würde, und deren Getstesrtchtung und Seelendeschäffenheit es adäquater wäre, an Sabbath und Festtag hinter dem Ladentische zu feilschen als auf der Kanzel zu stehen, deren öffentltches Leben daher zu Heuchelei und Betrug werden muß, zu Treubruch und Verrath an Gott und Nation. Und diesen Rabbinen ist der religiöse Verfall, die Spaltung und Zerklüftung, die innere Zerissenheit und Zerfahrenheit der gegenwärtigen Judenheit zu verdanken, sie haben dem Herzen unseres Volkes jene tausend Wunde» geschlagen, ans denen es blutet. Hüten wir uns daher eine Anstalt zu gründen, um Individuen, die darum dem Talmudstudium eine enge Spanne Zeit opfern möchten, weil ihnen das Seelsorgergeschäft besser convenirt als alle andern Hanthierungen, weil es ihnen eher zusagt, mit geistigen als mit Materiellen Werthen zu ״handeln"^ weil sie nach einem arbeitslosen-Leben gelüsten, und so gerne vom Altarbrode sich nähren möchten, um solche Individuen zu Rabbinen heranzubilden. Hüten wir uns eine Anstalt zu gründen, um Heuchler und Betrüger, Müssiggänger und Faullenzer den ohnedies geistig verwaisten und gesunkenen Gemeinden Israels zu religiösen Leitern zu geben. Abgesehen von allen diesen gewiß sehr gewichtigen Bedenken, würden wir uns ein höchst beschämendes Armuthszcugniß ausstellcn, und an dem Heiltgthum der jüdische» Wissenschaft Verrath begehen, wenn wir eine öffentliche Talmndschule als Supplement eines Gyinnasiums hinstcllen, und somit dem klassisch-heidnischen Geiste eine primäre und dem Geiste des Judenthums eine sekundäre Bedeutung