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Jeschurun · 1867-11-01 · Heft 2 (November 1867) · p. 64

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1867-1868)
Issue
Heft 2 (November 1867)
Article
Rede
Date
1867-11-01
Page
64 (sequence 3)
Language
German
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Rede rc. 64 digkeit und scientivische Capacität, sondern nur auf ihre unverdiente Pcrgamcntbulle, als aus die Garantie ihrer Berechtigung zur Bekleidung des Höchsten und heiligsten Amtes, welches das Judenthum zu vergeben hat, Hinweisen können, ein solches Institut würde ich aus der innersten Tiefe meiner Seele bedauern und beklagen. Das Studium der specifisch-jüdischen Wissenschaft unterscheidet sich dadurch von 'dem aller andern Doctrinen, daß es nicht allein mit Liebe, Eifer und Hingebung, sondern auch mit sittlichem Ernste, mit tiefer Ehrfurcht vor dem LehrgegcNstande und mit kindlich-innigem Glauben an die Heiligkeit und den göttlichen Ursprung desselben betrieben werden muß, so es heilsame Früchte tragen, und in seiner ganze» erhebenden, versittlichenden und heiligenden Macht sich offenbaren soll. Das Studium der jüdischen Wissenschaft ist eine religiöse Pflicht, und muß als ein religiöser Act, als eine gottesdienstliche Handlung mit innerer Weihe, und ans heiligem göttlichen Drange gepflogen werden. Wer für dieses Studium ein inneres Bedürfniß Nicht hat, und ihm nur aus äußern materiellen Rücksichten sich einigermaßen zuwendet; wer in der jüdischen Wissenschaft nicht in der reinen Absicht forscht, den nach höherer Erleuchtung durstenden Geist an der frischen Quelle der Gottesweisheit zu laben, und an den wohlthuenden Sonnenstrahlen der wahren Erkenntniß Herz und Seele zu erwärmen und für Gott zu entzünden, sondern um dadurch eine ^irdische Existenz sich zu gründen, der entweihet das Wort Gottes, der entheiliget unsere erhabene geoffenbarte Lehre, und er wird auch nie diese Wissenschaft in ihrer wahren höhern Bedeutung erfassen, und er wird, anstatt ihr ein treuer Jünger, ein liebevoller Anhänger zu sein, an ihr zum Verräther werden. Wer Talmud studirt um Talmudist zu sein, der kann ein tüchtiger Talmudgelehrter und ein berufsgetreucr Rabbiner werden, wer aber den Talmud studirt einzig und allein um Rabbiner zu werden, der wird ein Stümper im talmudischen Wissen und ein ehrloser Rabbiner sein. WaS haben wir nun von einer Talmudschule zu erwarten, die die Bestimmung haben sollte, denjenigen, die das Gymnasium bis zum zwanzigsten Lebensjahre freqnentiren, und nebenbei ein klein wenig Talmud studtren, also das Studium des profanen Wtssens zu ihrem eigentlichen Berufe, zu ihrer Hauptaufgabe, und das jüdische Studium zur untergeordnetsten Nebensache machen wollen,

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