Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 2 (November 1867)
- Article
- Rede
- Date
- 1867-11-01
- Page
- 66 (sequence 5)
- Language
- German
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66 Rede re. vindiciren würden. Wir brauchen leine Talmudschule, die sich an ein Gymnasium anlehne, wir brauchen vielmehr, wenn wir durchaus eine öffentliche theologische Lehranstalt gründen wollen, eine voüständige alle erforderlichen Wissensbranchen in sich vereinigende Rabbi-- nerschule, in welcher der Zögling seine ganze Geistesbildung empfange, und die internen und externen Wissenschaften auS dem Munde sittlich ehrbarer religtöswürdizer Glaubensbrüder vernehme, in welcher das Talmudstudium nicht in karg zugemcssenen Stunden abgeferttgt werde, und das vernachlässigte Aschenbrödel bilde, sondern den vornehmsten Theil der Unterrichtszeit in Anspruch nehmen, und als die tonangebende Gebieterin geehrt und geachtet werden möge. Wir brauchen eine Anstalt, in welcher die Gymnasialgegcnstände den jüdischen Disciplinen, wenn nicht subordtnirt, höchstens coordintrt seien, und ein vermittelnder versöhnender Geist zwischen der classischrationalen und jüdisch-ethischen Weltanschauung nach Möglichkeit Frieden stifte und Eintracht herstelle. Wenn bisher Jünglinge unter dem dualistischen Einstusse der jüdischen Talmudschule und deS nichtjüdischen Gymnasii zu Rabbine» sich auSbilden, so können wir es nicht ändern, aber unverzeihlich wäre es, wenn wir ein Institut in's Leben riefen, um dieser widerspruchsvollen Zweitheilung des intellektuellen Entwickelungsganges des Rabbinatsaspiranten Borschub zu leisten und die Sanction zu verleihen. Die ist nicht die wahre Mutter, die da spricht: man möge das Kind zerth eilen. Wir brauchen ein tüchtiges, unter den von sittlich würdigen, religiös anerkannten gelehrten Fachmännern festzusetzenden Modalitäten zu gründendes Rabbinerseminar; wir brauchen eine würdige Anstalt, und eine solche wird auch hoffentlich ihrer würdigen Schüler haben. Und besitzen wir nicht die Mittel, das zu bewirken, dann schaffen wir gar nichts und sagen uns ganz gemüthlich: ״manum de tabula!" Doch man ist besorgt: woher in Zukunft die Rabbinen kommen werden? Nun, setzen wir den Fall, es könnte eine Zeit eintreffen, in der nirgends Rabbiner zu finden wären für die leeren Posten, und die Gemeinden ohne geistliches Oberhaupt daständen, ach, das wäre allerdings ein großes Unglück, vor dem uns Gott bewahren möge; aber lange und beiweitem kein solches Unglück, wie wenn Rabbiner, wie wir sie früher gezeichnet, das Ruder der geistig-sittlichen Angelegenhetten der Gemeinden in Händen haben. Uebrigens wird dieser Fall