Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 2 (November 1867)
- Article
- Rede
- Date
- 1867-11-01
- Page
- 63 (sequence 2)
- Language
- German
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Von Dr. Herrmann Lipschitz. 63 als eine über allen Zweifel erhabene-Gewißheit, und hoffe ich daher mich Ihrer rückhaltlosesten Billigung zu erfreuen, wenn ich, anstatt den uns zur Lösung vorgelcgten Fragen direkt an den Leib zu gehen, das erwähnte Gutachten zum Gegenstände meiner Bemerkungen machen werde. Auf die erste der vom hohen Ministerium ausgestellten drei Fragen, nämlich auf die: ob es nöthig sei im Kronlande Mähren Talmudschulen zur Heranbildung jüdischer Theologen zu creiren, antwortet dieses Gutachten, daß dazu insofern eine zwingende Nothwcndigkeit vorhanden sei, als widrigenfalls den bis zum 20. Lebensjahre das Gymnasium besuchenden, und zum Rabbinate sich qualificiren wollenden Jünglingen keine Gelegenheit zur Ertüchtigung in den jüdischen Disciplinen geboten wäre, und die Gemeinden Gefahr laufen würden, in Zukunft keine befähigten Individuen zu finden für vacante Seelsorgerposten. — Ich beuge mich tief zur Erde vor den achtenswerthcn Gefühlen der Liebe und Hingebung für die geistigsittlichen Interessen und national-religiöse Fortentwickelung Israels, von welchen diese Aeußerung des ehrwürdigen Landrabbtnates in so unverkennbarer Weise durchdrungen ist; aber übercinstimmen mit derselben kann ich, zu meinem tiefsten Bedauern, mit Nichten, und darf ich, aus Liebe zur Wahrheit, es nicht unterlassen, hier frei und unumwunden zu erklären, daß ich die diesfällige landrabbinatliche Intention wie die Motivirung derselben nie und nimmer gutheißen werde. — Es dürfte Sie, meine sehr geehrten Herren, höchlich wundern, daß ich, selber Rabbiner, der Gründung öffentlicher Schulen für rabbinische Wissenschaft entgegentrete, aber Sie werden sich hoffentlich von Ihrem Staunen erholen, wenn Sie die Güte haben werden, meine Gründe hiefür Ihrer wertsten Aufmerksamkeit würdigen und einer unbefangenen Prüfung unterziehen zu wollen. Wenn Sie dies thun, dann werden Sie die Ueberzeugung gewinnen, daß ich die in Rede stehende Jnstitutsschöpfung nicht darum mißbillige, weil ich keine, sondern weil ich gute Rabbinerschulen wünsche. Ich würde eine Anstalt zur Heranbildung tüchtiger, mit theologischem und weltlichem Wissen reich ausgestatteter, wahrhast würdiger Rabbiner mit ausrichtiger inniger Freude begrüßen; aber eine Pstanzschule für Quasi-Rabbiner, für bloße Kuttenmänner und Bäffchenträger, für Leute, die nicht auf ihre persönliche Wür-