Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 12 (September 1867)
- Article
- Pädagogische Silhouetten
- Date
- 1867-09-01
- Page
- 421 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Von —0—. 42:1 ganze Erscheinung der Eltern im Glorienstrahle der Liebe. Doch kommen Sie. Ich habe Ihnen noch mehr zu zeigen. Spenden wir noch einen Blick des Mitleids den zarten Pflanzen, die unter der rauhen Atmosphäre dieses Raumes verkümmern. Ich zeige Ihnen eine andere Stätte der Erziehung. Dort finden Sie eine andere Erscheinung, eine viel häufigere als die, die wir eben geschaut. Denn daß diese seltener, dafür bürgt uns doch die Natur, die das Elternherz mit Liebe erfüllt. Hier ist das Haus, das wir betreten wollen. Doch — da tont uns lautes Weinen entgegen. Es ist die Stimme des sechsjährigen Tochterchens. ״Doch, Mama, ich will aber —", das Weinen steigert sich um zwei Noten zum Schreien, und Horen Sie den kleinen Fuß wie Pompejus seine Legionen rufen? Das ist des Tvchterleins Ultimatum; cs hat genützt und sein Wille ist durchgcsetzt. ׳Wir brauchen nicht mehr einzutreten; Sie haben bereits eine andere ״Erzichungs"-Wcise kennen gelernt. Sic ist alt und doch sehr modern, und viel vertreten und — die Schöpferin vielartiger Verkümmcrung. Was nur der Kleinen und Großen Lust und Neigung verlangt, gewährt die Elternliebe, wenn sie nur zu weinen oder zu trotzen wissen; sie kennen den Weg für einen jeden ihrer Wünsche, und wäre es auch ein thörichter oder schädlicher, die Befriedigung von den schwachen Eltern zu erlangen. Hier waltet die Liebe, nicht wahr? Nun beachten Sie wohl: so sehr sich auch dem Auge des Betrachters diese Erziehungsweise von jener, die wir eben kennen gelernt, vortheilhaft scheiden mag, so ähnlich doch find beide in ihren Folgen, ja die Wurzel beider ist ganz dieselbe. Sie staunen? Es dürfte in der That doch so sein. Nur die Rollen wechseln. Dort erziehen Tyrannen Sklaven, hier Sklaven Tyrannen. Und hier wie dort droht die Gefahr, daß jene Kraft ertvdtet oder geknickt werde, deren Frische und Lebendigkeit von allen Zielen der Erziehung als Vorbedingung umfaßt wird, auf deren Pflege und Erstarkung darum vor Allem das Hauptaugenmerk zu richten ist. Dort wird der Kreis des Wollens dem jungen Geiste unberechtigt und unangemessen verkürzt. Darum wird sein Wille sich da geltend zu machen suchen, wo er es vermag, wo er unbeachtet ist. Wenn er also wollen kann, entbehrt sein Wille der Leitung—und