Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 12 (September 1867)
- Article
- Pädagogische Silhouetten
- Date
- 1867-09-01
- Page
- 420 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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420 Pädagogische Silhouetten. horsam fördert. And während jedes elterliche Gebot oder Verbot direkt oder indirekt die sittliche Kraft des Kindes in und durch Uebung erstarken lassen soll, sehen Sie daher hier alle Kraft gebrochen, Heiterkeit und Lebendigkeit ans der Kinderstube und ans dem Kinder- Herzen geschwunden; die Folgelcistung des Kindes ist kein Gehorsam, ist kein Act freudiger Selbstüberwindung, ist vielmehr nur das traurige Resultat eines sishchischen — häufig gar compnlsiven — Zwanges. — Diese Erziehungsweise verpflanzt das Contagium des die Erztehung verderbenden Charakterfehlers der Eltern auf das Kind, und die Ahnung des gegen cs geübten Unrechts öffnet sein Gcmüth jenem Gifte, das die Waffe gekränkter Ohnmacht zu sein pflegt: der Bosheit, der Tücke, der Rachsucht; und die Bitterkeit des Gemüths stachelt zu Trotz und Eigensinn. Unter ihr erschlafft der jugendliche Geist, oder er weiß nur da Energie zu entwickeln wo cs gilt den elterlichen Willen heimlich zu umgehen, und wird so der Listigfeit und Verschlagenheit in die Arme geführt. — Unter stetem Herbstessturme erblüht kein gesundes, frisches Leben. — ״Seine Kinder folgen seinem Blicke" — Ja wohl, weil und so weit sein Blick und seine Gegenwart Dokument für. das drohcnde ״sonst —!" Wie aber wo und wenn seine Gegenwart nicht zu fürchten? Daun athmet das Kind auf, und weites das Gebot der Eltern nur als willkürliche Fessel kennt, kennt dann seine Willkür keine Fessel und zügellos ist die Ungebundenheit. Das vernüuftigc Gesetz es erkennen zu lassen, lag nicht in der Weise seiner Crztehung; sich selber das Gebiet zu beschränken, sich selber die Grenze zu setzen ward es nicht gelehrt und nicht gewöhnt. — Und wie, wenn der Blick der Eltern nicht mehr drohen kann, wie wenn den Gebietet der Augenblick ereilt, dessen Vergegenwärtigung ihn nie hätte lassen herrschen wollen? — dann pflegt mit dem Auge der Eltern für immer auch der Gehorsam des Kindes geschwunden zu sein. Meist Passiva umfaßt die Verlassenschaft dieser Eltern, meist Verlust ist's, was ihre Erziehung ihren Kindern gebracht und cntgangener Gewinn jene ewig frische Quelle der Verjüngung, jene geheimnißvolle Kraft, die wie in magnetischer Anziehung die Kinder auch nach der Eltern Heimgang auf dem von ihnen gewiesenen Wege leitet und bet Abirrung sie leicht ihn wieder finden läßt —: die unverlierbare» Eindrücke wahrhafter Erziehung und das Andenken an die