Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 12 (September 1867)
- Article
- Pädagogische Silhouetten
- Date
- 1867-09-01
- Page
- 419 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Von —ם—. 419 ihnen nicht. Kein Wort der Herzlichkeit! Kein Blick der Liebe! Machtgebot des Stärkeren, Befehl unter Strafandrohung! — ״Meine Kinder habe ich so erzogen, daß sie meinem Blicke schon folgen" — rühmt sich Ihnen der Vater, indem Ihnen zugleich eine Probe dieses Blickes entgegenblitzt. Bedanken Sic sich, wir haben viel von ihm gelernt. Erziehung nennt er sein Werk? Hohn aller Erziehung! Tyrannei ist's, Herrschsucht — weiter nichts. Der wahrhafte Erzieher will nicht herrschen, und selbst befehlen zu müssen wünscht er nicht. Sein Wort ist nicht Diktat eines subjektiven Beliebens, nicht Laune und bon plaisir gicbt seinem Gebote oder Verbote Veranlassung. Der Ernst der Erziehungsaufgabe, der Gedanke zum Bildner eines göttlichen Menschengeistes berufen zu sein behütet ihn davor, die Achtung vor dem Menschen in seinem Kinde schreckt ihn davon zurück. Nur was ihm selber als Gebot objektiver Nothwendigkeit zuvor sich dargcstellt, wird er gebieten oder untersagen. Das, und nur das. Darum auch nicht die Furcht, nicht die drohende Uebermacht nimmt er zum Postament seines Wortes und zur Einführnng seines Gebotes oder Verbotes. Er will das nicht und braucht es nicht. Das Vertrauen, das der kindliche Sinn den Eltern entgegenbringt und das zu erhalten ihre erste Aufgabe ist, die Ehrfurcht und Liebe und die im Kinde zu weckende Erkenntniß der Vernünftigkcit und Nothwendigkeit des Gebotenen, dies will wahre und besonnene Erziehung als Grund der Folgeleistung Pflegen. Ruhiger freundlicher Ernst darum charaktcrisirt die Weise des Gebietens und Versagens des wahren Erziehers, wie überhaupt dies der Grundton seines Umgangs. Die Ruhe im Gebieten läßt das Kind Erwägungen ahnen, deren Ausfluß das Gebot, seine Nothwendigkeit und Angcmessenheit der Ernst, und die Freundlichkeit ist eine Appellation an die dem Kinde zugewandte, und von ihm erkannte elterliche Liebe, ist eine Hülfeleistung im Kampfe der Ucberwindnug und darum ein mächtiger Hebel zur Erzielung eines bewußtvollen freudigen Gehörsams. Befehl kennt er nur alS die — traurige — idtima ratio, et wird aber dessen selten, vielleicht nie bedürfen. — Seine Kinder, meint dieser Vater, folgen seinem Blicke. — Rtchtig; seinem drohenden Blicke. Nicht ihm/ nicht dem Vater als Vater; nicht die geistige Superivrität des Gebietenden soll das Gebot begründen, nicht die Liebe ist's, die Vertrauen belebend freudigen Ge-