Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1867)
- Article
- Skizzen zu einer Geschichte der Juden in Köln
- Date
- 1867-07-01
- Page
- 351 (sequence 14)
- Language
- German
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- Von Lr. Schwarz. 351 zwei Reihen von Mauer Farbe auf ihren Schleiern ober Hauben. Wer es wagte ohne Abze.chen sich sehen zu lassen, wurden hart bestraft. Wahrhaft tragikomisch ist eine wissenschaftliche Abhandlung über dieses Zeichen in dem Tractatus dejuribus judaeorum von Joh. Jodoco Beck, Nürnberg 1731, Seite 44 u. w., worin allen Ernstes nachgewiesen, daß dergleichen Zeichen die Juden auch schon im alten Testament gehabt, um sich dadurch von andern Völkern zu distinguiren, denn also steht hiervon geschrieben IV. Mos. XV. Vers 38: ״Rede mit den Kindern Israel und sprich zu ihnen, daß sie ihnen Läpplein machen an den Fittigen ihrer Kleider, unter allen eure» Nachkommen und gelbe Schnürlcin auf die Läpplein ihrer Fittigen thun"?? Joh. Heidfeldins hat dieses Thema in höchst ergötzlichen Hexameter» besungen und sich den Lorbeer errungen. Nachdem die Abzeichen zu Ende des sechszehnten Jahrhunderts mehr und mehr geschwunden wird ihr Verlust damit entschuldigt: cum 60 minime Opus sit, ac Judaeus ex habitu, cultuque corporis nullo negotio a Christiano dignoscatur. (Basnage, histoire de Juifs lib. 7, cap. 13.) Bald verbreitete sich dieser Unfug durch ganz Deutschland. Vgl. die Reformation guter Polizei zu Augsburg vom Jahre 1530 tit. von der Juden Kleidung 22 § 1. 1213 erließ derselbe Papst Jnnocenz III. eine Bulle, welche die Inden aufforderte alle Zinsen, den Kreuzfahrern zurückzuerstatten. (Ennen, Quellen zur Geschichte der Stadt Köln B. II. S. 47). Doch scheinen sie von ihren christlichen Mitbürgern, mit denen sie im besten Einverständnisse lebten, Zeichen großen Vertrauens erhalten zu haben und sie zeigten sich derselben auch würdig. Als nämlich vor Erweiterung der Stadt die s. g. Burgmauer noch die nördliche Gränze der alten Stadt bildete, die vom Römcrthurm — an der jetzigen Zeughausstraße — begann und an der nordöstlichen Seite des Domes — am jetzigen Frankenplatze—auslief, war diese Eiuschlußlinie mit fünf si g. Kriegs- oder Wichhäusern propugnacula, welche zur Vertheidigung der Stadt dienten, versehen. Eines dieser Wichhäuser, das des Domes, hat sich noch in seinen Resten in dem runden hervorspringcnden Thurme auf der Burgmauer bis zur Gegenwart erhalten. Das Ledeutenste von diesen Wichhäusern war den Juden anvertraut. Es lag an der Stelle des jetzigen Zeug- 21*