Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 10-11 (Juli 1867)
- Article
- Skizzen zu einer Geschichte der Juden in Köln
- Date
- 1867-07-01
- Page
- 350 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932974-2932985-2950817--10697-2950859- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
356 Skizzen zu einer Geschichte der Juden in Köln. kein Judenfreund. Als in Neuß am 1. Februar 1194 durch die That eines geisteszerrütteten Juden, welcher in einem Anfall von Raserei einem christlichen Mädchen den Hals abschnitt, die angeschendsten Gemeindeglicder, darunter auch der Toffafist Rabbi Samuel b. Natronai, bluten mußten, legte er nicht nur den übrig Gebliebenen in Neuß, sondern sämmtlichen Juden seines SprengelS überschwengliche Strafgelder auf. Gegen das Ende des 12. Jahrhunderts, nachdem fremde Judenfamilien aus Trier, Eoblenz, Andernach, Niedeggen, Monheim, Neuß, Duisburg, Arnheim, Würzburg, selbst aus England und Frankreich — letztere von König Philipp August im Jahre 1186 aus Frankreich vertrieben — tu Köln eine neue Heimath gefunden haben, kamen fast sämmtliche Häuser, Plätze und Gärten, welche in der jetzigen Judengasse in dem Portalsgäßchen und an St. Laurenz gelegen waren, in ihren Besitz (Einten, Geschichte der Stadt Köln I, S. 468). Um die Juden in der bürgerlichen Gesellschaft noch tiefer zu erniedrigen, so wurde, auf dem Concil Lateranenst unter Papst Jnnocenz IIIa. 1216, wie auch auf dem zu Narbonne a. 1227 verordnet, daß die Juden sowohl männlichen als weiblichen Geschlechts durchgebe.ids in allen christlichen Ländern einer ganz besonder« Kleidüng sich bedienen muffen. Daher wurde eS in vielen deutschen Ländern geboten, daß sie an ihren Rocken oder Mäntel einen gelben Ring von der Größe eines Thalcrs anbringen. Cardinal Nicolai in Nürnberg ließ 1451 die Judcnfrauen an ihre» Schleiern ein himmelblaues Merkmal tragen. Dasselbe wurde tn Frankfurt 1452 eingeführt. (Leßner, Chronik lib. I. cap. 43 fol. 557). In Rout war diese menschenfreundliche Sitte schon früher Mode. Das Concil zu Köln 1452 richtete sich ebenfalls nach dieser römischen Mattier und befahl es den Juden in der Diözese. Es geschah dieses in dem von Erzbischof Theodor von Moers abgehaltcncn Provinztal-Concil, welchcs die Verbesserung der Sitten des katholische» Clcrus bezwecken sollte. Der Cardinal-Legat Mich. Cnsanus erließ den vom Erzbischof bestätigten Befehl, daß die Inden nach einer Frist von 10 Motraten innerhalb der ganzen kölnischen Provinz ein Uiitcrscheidungs- Zeichen tragen sollen. Die Mannspersonen einen Rand von safrangelben Fäden an dem Ueberkletde vor der Brust, die Weiber aber