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Jeschurun · 1867-07-01 · Heft 10-11 (Juli 1867) · p. 348

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 10-11 (Juli 1867)
Article
Skizzen zu einer Geschichte der Juden in Köln
Date
1867-07-01
Page
348 (sequence 11)
Language
German
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gegen wußten sie jährlich um Weihnachten als 861׳v! 6am6ra6 den güldenen Opferpfenntg als Judenzins erlegen. (Vgl. der Schwabenspiegel von W. Wackernagel Cap. 214 S. 205.) Es fand große Verschiedenheit statt in Ansehung der Zinsen, und des Begriffs von Wucher. Zu Karl N. Zeit galt erst für wucherisch, wenn Hundert vom Hundert genommen wurden. Wie weit dasselbe gehen konnte, wenn sich die Obrigkeit gar nicht darum bekümwerte, erhellt aus einem Beispiele von Lindau am Bodensee im Jahre 1344. Einheimische Bürger daselbst trieben den wucherischen Gewinn bis .216% vom Hundert. Denn für zehn Schillinge (m 120 Pfenn.) nahmen sie wöchentlich fünf Pfennige also jährlich 260. Daher war die Bürgerschaft froh, als sich ein jüdischer Wechsler niederließ, der jene Christen beschämte und sich mit geringern Zinsen begnügte. —־ Die Schutzgebote der Juden gehörten zu den landesherrlichen Nutzungen vom Gewerbe. In der ersten Hälfte des Mittelalters wurden die Juden überall menschlicher behandelt, da die wilde Triebfeder der Verfolgungen, die zu den abscheulichsten Schandflecken jenes Zeitalters gehören, noch nicht gespannt war. In den früheren Jahrhunderten, ehe ihnen die Lombarden im ganzen gewerbthätigen Europa den Rang äbgelaufen, waren sie die einzigen Handelsleute, die sich den Geldgeschäften ׳ widmeten, und deßhalb bei Fürsten, Bischöfen und Aebten wohl gelitten. Daß die entsetzlichen Verfolgungen erst im spätern Mittelalter, seit den Kreuzzügen eingetreten sind, hängt mit diesen nur mittelbar zusammen, und der Zweck der abenteuerlichen Züge diente den Urhebern der Verbrechen nur zum Vorwände. Die Herrn nämlich die das Schwert führten, die Landherrn und die ritterständischen Bürger, fanden in der Vertilgung ihrer Gläubigen das leichteste Mittel sich der Schuldenlast zu entledigen; und sie gebrauchten Zu ihren Mordthaten ein Feldgeschrei, das schon bei den Kreuzzügen selbst, wo es doch nicht verstellt war, mit dem Geiste des Christenthmns in empörendem Widerspruche stand. Seit dem zwölften und dreizehnten Jahrhundert vermehrt sich in gesteigerten Verhältnissen, mit der Verbreitung der Gegenstände des sinnlichen Genusses und des Aufwandes, auch der Hang dazu bei den Land- und Städtebewohnern, ohne daß jedoch hiermit der Ertrag der ländlichen Wirthschaften Schritt hielt. Dieses Mißverhältniß dauerte fort im vierzehnten Jahrhundert und wird auch da noch von unterrichteten Zeitgenossen als Ursache der Judenverfolgungen angegeben. —־ Wenn christliche Bankhalter höhere Zinsen nahmen als jüdische, so war das um so sträflicher, da jene nicht wie diese für so häufige durch Erpressungen und Beraubung erlittene Verluste sich schadlos zu halten hatten.

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