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Jeschurun · 1867-07-01 · Heft 10-11 (Juli 1867) · p. 347

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 10-11 (Juli 1867)
Article
Skizzen zu einer Geschichte der Juden in Köln
Date
1867-07-01
Page
347 (sequence 10)
Language
German
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347 Friedrich I., der Rothbart (1152—1190) nahm, weil die Zuden ihn um diese Gnade gebeten hatten, sie unter die Flügel des kaiserlichen Schutzes und gewährte ihnen mancherlei Rechte. Dahinderes Gewerbe, kein Handwerk treiben durften. Sie waren die von der Kirche selbst geduldeten Zinswucherer. Wenn D1\ Ennen in diesem Zinswucher die Hauptursache des Hasses der Bürger Kölns gegen die Juden findet, so zeugt dieses, wie die Betrachtungen, die er daran knüpft und die jedenfalls übertrieben sind, von Voreingenommenheit. Hätten wohl auch die Kölner Bürger bei der ersten Judenverfolgung den Juden Schutz in ihren Häusern gewährt, wenn sie einen so großen, allgemeinen Haß gegen sie gehegt hätten? Der heilige Bernhard spricht sich schon auf das Bestimmteste dahin aus, daß die christlichen Wucherer noch schlimmer seien wie die jüdischen" (Weydcn S. 96). Die härteste Störung in der Entwickelung der gewerblichen Welt war das alte Kirchenverbot der Zinsen, worauf man mit beschränktem SLeifsinn beharrte. Ursprünglich mochte es von einer mißverstandenen Verdammung des Geldgewerbes eingegeben sein; daß man aber für jede bessere Einsicht unzugänglich blieb und statt das Verbot zurückzunehmen, es lieber dem Hohn der ganzen Handelswelt aussetzte, beruhte hauptsächlich auf dem Hasse gegen die Juden. Und wenn sich hierin die Geistlichen jener Zeit noch treu geblieben wären! Aber nicht wenige machten es wie einst die Priester zu Delphi, die von ihren Schätzen auf Zinsen ausliehen. Würdige, wohlgesinnte Geistliche führten bittere Klage darüber, daß Bischöfe und Aebte sich nicht entblödeten, mit dem Kirchengeräth, welches häufig von ungeheuchelter frommer Verehrung, zuweilen, von einem unschädlichen Aberglauben, nicht selten freilich auch von der Eitelkeit geschenkt war, Wucher zutreiben, indem sie dasselbe gegen einen Antheil von Gewinn, Toscanischen Goldhändlern aus Florenz, Siena und anderen Städten, verpfändeten. Im nördlichen Frankreich trieben Geistliche von geringerm Range öffentlich und schamlos wucherische Geldgeschäfte. Im Niederrheinischen Deutschland, namentlich in Köln, beschönigten sie die Sache damit, daß sie die Zinsen unter dem Namen Handgeld vorstreckten (Urk. des Erzbischofs Wilhelm von Köln v. I. 1307) 1). 1y ״Die Juden fanden in Köln Mittel, der gefährlichen Eoncurrenz der Lombarden die Spitze bieten zu können, nach meiner lieberzeugüng, weil sie ehrlicher in ihren Geldgeschäften zu Werke gingen als die Italiener, daher waren und blieben sie trotz dieser Concnrrenz unentbehrlich." (Wehden S. 99.)

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