Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1867)
- Article
- Risse
- Date
- 1867-06-01
- Page
- 326 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gsse. de» — Früh Morgens tlje §«־ -Tag Wch> MM^-erW ste! Sch woy ihrem Lager und kleidete sich rasch an, doch oft bevor sie ihre Toileite noch beendet, war schon der Wärter, der die Nacht bei dem Kranken zubrachte, vor ihrer Thür, um sie in ihres Vaters Namen aufzufordern sich zu beeilen, um früher ihr mühevolles Tagewerk zu beginnen — Mit derselben milden Freundlichkeit trat sie tagtäglich an des Vaters Bett, und forschte mit der innigsten Thetlnahme nach seinem Befinden, und wie unmuthig der Kranke zuvor auch gewesen, der Morgen grüß der Tochter hatte stets einen unendlich wohlthucnden Einfluß auf ihn. Helene mußte ihm dann das Frühstück reichen, und das war die ruhigste Zeit des ganzen Tages. Dann mußte sie die Klagen über die Vernachlässigungen vernehmen, die der Wärter im Laufe der Nacht sich hatte zu Schulden kommen lassen, nicht selten von dem Vorwurf begleitet, daß eine liebende Tochter den leidenden Vater nicht eine ganze Nacht unter fremden Händen lassen würde, und sobald dieser Vorwurf über seine Lippen gekommen war, hatte seine gute Laune für diesen Tag ein Ende. Bald stellten sich Unbehaglichkeiten oder Schmerzen ein, bald gab er solche nur an, um Helene für die müßige Ruhe der Nacht, durch die Beschäftigung des Tages zu entschädigen — dann kamen die Zeitungen, und von Anfang bis zu Ende mußte sie ihm alles vorlesen. Nichts durste sie überschlagen, so ermüdend und anstrengend es auch für sie war und dazwischen ihm immer Erfrischungen und Stärkungen reichen. Oft wenn die uninteressanten oft langweiligen Leitartikel ihn selbst ermüdeten, hörte er kaum darauf, aber Lesen mußte Helene sie doch. Zuweilen mußte sie ihm mitten drin ein Lied singen, und wenn dann durch das unaufhörliche Lesen ihre Stimme angegriffen, weniger hell ihm schien, dann fluchte er auf ihre Zimperlichkeit, die den Mund ganz zu öffnen sich scheue, verlangte wieder von Neuem nach Lektüre, nach Erfrischungen, zankte über diese, fand sie bald zu süß bald zu scharf, das Wasser bald zu kalt, bald nicht frisch genug, und an allem sollte die sich aufopfernde Tochter schuld sein. Und wenn sie spät am Abend auf der Mutter Drängen sich endlich zur Ruhe begeben hatte, dann gehörte es nicht einmal zu den Seltenheiten, daß sie zwei, drei Mal während der Nacht zu dem Kranken gerufen wurde, dem der Wärter nichts mehr recht zu machen vermochte. :