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Jeschurun · 1867-06-01 · Heft 9 (Juni 1867) · p. 327

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 9 (Juni 1867)
Article
Risse
Date
1867-06-01
Page
327 (sequence 5)
Language
German
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»Oft■:®■, 327 Doch kein Klage, keine Aeßerung der Ungeduld, kam über die Lippen des jungen Mädchens, ihr liebliches Gesicht vcrrieth nicht den geringsten Unmuth, doch der rosige Hauch, der ihr sonst ein so binhendcs Aussehen verliehen, war geschwunden; eine zarte Bläffe verlieh ihrer Schönheit zwar neuen Reiz, erfüllte jedoch das Herz der Mutter mit unsäglicher Augst. Helene saß am Bette des Vaters, dessen Ungeduld, dessen Launcnhasligkeit heute alles Denkbare überstieg. Sie fühlte sich auf's äußerste erschöpft, denn auch in vergangener Nacht war sie wiederholt zum Kranken gerufen worden, der die geringsten Schmerzen unerträglich fand, und wenn sie heftiger wurden zuweilen in eine Art von Raserei gcrieth, die nicht einmal Helenens süßes Lächeln, ihre freundlich schmeichelnden Worte zu mäßigen im Stande war, dennoch bot sie alles aus, den Kranken in eine heitere, wenigstens ruhigcre Stinimung zu versetzen. ״Soll ich Dir nicht das schone Lied von Schubert wieder einmal singen, Papa? es hat Dir neulich so gut gehalten." ״Ja, singe aber krächze nicht — Teufel wie die Zunge mir am Gaumen klebt — Gieb mir zu trinken Leuchen, und dann singe mir das Trinklied, das ich Dich neulich gelehrt habe." Helene befolgte des Bater's Befehle, und mit unendlich liebstcher Stimme begann sie das ziemlich rohe Lied. Anfangs schien der Kranke davon entzückt aber noch bevor sie es beendet hatte, war eS ihm schon zuwider. ״Zum Henker mit Deinem Gezirp, hör' auf, hör' doch auf, ich kann mir ja nicht die Ohren zuhaltcn. — Verfluchte Zimperlichkeit, heute bist Du ja zu gar nichts zu gebrauchen, wenn Du ein paar Minuten lesen sollst, schläfst Du beinahe dabei ein und statt zu singen piepst Du wie die Mäuse." ״Sei nicht böse Papa, es ist nicht meine Schuld, heute Nacht als ich ein paar Mal über den Corridor ging, war et» rauher Luftzug dort, und seitdem bin ich ein wenig heiser." ״Sa, sa, sa, möchte daö Zierpüppchen sich nicht in Baumwolle rinwickeln und in's Bett legen?" ״Nein Papa, dann könnte ich ja nicht bei Dir sein und mich mit Dir unterhalten." ״Verteufelte Unterhaltung das, Du bist ja so dumm wie Bohnenstroh, man kann kein vernünftiges Wort mit Dir reden. Teufel

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