Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1867-05-01 · Heft 8 (Mai 1867) · p. 288

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 8 (Mai 1867)
Article
Risse
Date
1867-05-01
Page
288 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2932754-2932974-2932983-2950716--10626-2950761
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

288 Risse. Er wollte noch weiter spötteln, aber in des harten Mannes' Brust regte sich vielleicht zum ersten Mule im Leben ein Etwas, das ihn plötzlich ganz weich stimmte. ״Neige Dich zu mir Kind, daß ich die Augen küssen kan», die um mich weinen. Und wann wirst Du mir nun wieder davon laufen, du kleine Ausreißerin?" fragte er-nach einigen Minuten. ״Ich bleibe bei Dir, so lange Du meiner bedarfst Papa, ich will Dich pflegen/ ״Du mich pflegen — das ist eine verteufelt schöne Idee! aber —" er blickte sie mit forschendem Mißtrauen an, ״ich fürchte Mädchen Du hast Dich verrechnet — Entweder Du hoffst auf meinen baldigen Tod und bist bcrgekommen Dir die Erbschaft zu sichern, oder Du denkst, daß ich sehr bald genesen werde und willst mich ein paar Tage pflegen, damit ich hernach in Deine Herrath mit dem Lumpen willige — Aber in beiden Annahmen hast Du Dich getäuscht, genesen werde ich sobald nicht und sterben will ich nicht, in Deine verrückte Heirath aber werde ich nie einwilligcn." ״Ich bin hergekommen Dich zu pflegen, Papa," erwiederte Helene, tief verletzt von der nieder» Gesinnung, die ihr Vater ihr zuschrieb, ״ich hoffte, daß meine Pflege Dir mehr Erleichterung schaffen werde, als die fremder theilnahmloser Leute, an anderes habe ich nicht gedacht." ״Wirklich nicht? — dann wärst Du in der That dummer als Du auösiehst, aber gleichviel, es wäre mir lieber — Also Du bleibst bei mir, so lange ich will, nun Kind es wird auch Dein Schaden nicht sein. In schweren Sammt und Seide will ich Dich kleiden, und in seine kostbare Spitzen, und was nur Dein Herz begehrt sollst Du haben, Perlen, Brillanten, was Du willst. Da wird erst Deine Schönheit strahlen." ״Ich bin nicht so eitel Papa, aus Schmuck und Putz mache ich mir wenig/ ״So, na, das mach der Teufel Dir glauben, ich känn'S nicht. Ein Mädchen sollte an etwas anderes denken, als an Schmuck und Putz? Lächerlichkeit! —Aber sage mir doch," fuhr er mit wiederausbrechendem Mißtrauen aus, ״wie soll ich eS nur verstehen,, als ich gesund war und ein Leben voll Glanz und Freude Dir versprach,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.