Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1867)
- Article
- Risse
- Date
- 1867-05-01
- Page
- 286 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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die Mutter wollte sich nicht wieder von ihr trennen, und dann hatte sie auch von dem früheren Leben ihres Mannes, forste von dem jetzigen ihres Sohnes zu genaue Kenntniß erhalten, als daß sie es wagen mochte Helene allein in ihr väterliches Haus zurückkehren zu lassen. Sie entschloß sich daher rasch; schon am Abend befanden sich beide Damen unterwegs und hatten am folgenden das Ziel ihrer Reise erreicht. Beide befanden sich in düsterer banger Stimmung. Helene dachte mit Angst an den kranke» Vater, und mit Sehnsucht des fernen Geliebten, von dem sie sich nun vielleicht auf Zahre getrennt hatte. Aber in Jda's Brust kämpften weit herbere Empfindungen — Der Anblick der Heimath hatte manch' trübe Erinnerung ip ״ihr erweckt, manch' schlecht vernarbte Wunde wieder bluten gemacht — Es war ein schwerer, ״schwerer Entschluß, den sie gefaßt, sie wollte zurückkehren in das Haus des Manneö, der ihre heiligsten Rechte verhöhnt, mit Füßen getreten hatte — Und doch, konnte sie anders? — Konnte sie die Tochter zurückhalten den kranken Vater zu pflegen, vielleicht sein Leben zu bewahren? — oder konnte sie dem unerfahrenen jungen Mädchen gestatten allein in ein Haus zu ziehen, das, wie sie vernommen, seit der Krankheit des Vaters wiederholt der Schauplatz der Orgien des Sohnes gewesen war? — Und dieser Sohn — wie zog sich ihr Muttcrherz zusammen, wenn sie seiner gedachte — er war ein geistvoller Knabe gewesen, unter guter Leitung hätte vielleicht ein braver tüchtiger Mann aus ihm werden können, und waS war aus ihm geworden! — sie zitterte bet dem Gedanken ihm zu begegnen — unglückliche Mutter! — Und wenn sie an die Begegnung mit ihrem Manne dachte, den sie seit jenem Abend am Sterbebette ihres Kindes nicht wiedergesehen — arme, arme Frau! — wohin sie blickte, überall Unglück — Helene hatte keine Ahnung von den Qualen, die ihrer Mutter das Herz fast zerrissen, sie schlug vor, vom Bahnhof aus zum Hause des Onkels zu fahren. Die Mutter gab ihre Einwilligung, ohne zu wissen wozu. Erst als Helene dem Fiakerführcr, der ihre Effekten aufgeladen hatte, die Hausnummer ihres Onkels nannte, fuhr Jda wie aus einem Traume empor und fragte, wohin er sie denn führen werde. Jakob war nicht wenig überrascht, so spät noch einen Wagen