Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1867)
- Article
- Von den Beziehungen der allgemeinen Bildungselemente zu der speciell jüdischen Bildung
- Date
- 1867-05-01
- Page
- 262 (sequence 10)
- Language
- German
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262 Von dm Beziehungen der allgemeinen Zeiten und für die unserige insbesondere, von höchster, mit dem religiösesten Emst zu würdigender Nothwendigkeit sei, dürfte kein denkcnder, sich der jüdischen Aufgabe bewußter Jude irgendwie in Ab-, rede stellen wollen. Wären wir selbst nicht so glücklich, unsere Zeit als die Morgenrvthe einer zunächst in reinerem Rechtsbewußtscin sich bethätigenden Humanität begrüßen zu dürfen, die auch die Söhne des jüdischen Volkes zur aktiven Betheiligung an allen humanen, socialen und politischen Bestrebungen des Völkerlcbens ladet; trüge selbst unsere Berührung mit dem allgemeinen Kulturleben noch wie zu Zeiten der Väter mehr de» passiven Charakter: von welcher eminenten religiösen Wichtigkeit wäre nicht selbst dann die Fürsorge, unsere Jugend auf die Höhe der Einsicht zu führe», die sie in den Stand setzt, alle die persönlichen, socialen, politischen und confcssionellen Verhältnisse, unter denen und in Beziehung auf welche sie, sei cs aktiv oder passiv, ihre jüdisch menschliche und bürgerliche Pflichtaufgabe zu lösen habe» werden, in Wahrheit und Gerechtigkeit zu würdigen, — von welcher eminenten religiösen Wichtigkeit, sie durch Kenntniß zu einer gerechten, alles Gute und Edle im Kulturleben ihrer Zeit mit Begeisterung ergreifenden Beurthctlung des europäischen Kulturlebens zu führen, in dessen Strömung sie selbst ihre eigene Aufgabe zu lösen haben! Nur Kenntniß schützt vor Vorurthcil, nur Kenntniß vor eigenem Unrecht in Beurtheilung und Behandlung der Menschenbrüdcr; Unkenntniß ist nach jeder Richtung hi» die Mutter des Wahns und des Vorurtheils. Wollte Gott es würde auch in nichtjüdischen Schulen die heranzubildcnde Jugend mit jüdischem Wissen, jüdischem Lebe», jüdischen Verhältnissln und Zuständen auch nur annähernd also bekannt, wie in jüdischen Schulen die Jugend mit Geist und Bestreben der »ichtjüdischen Welt vertraut wird! Daß, wie die jüdische Jugend aus Literatur und Geschichte die Heroen des Geistes und der That nichtjüdischer Vergangenheit und Gegenwart hochachten und verehren lernt, also auch daS Geistes- und Thatenleben der jüdischen Welt der nichtjüdischen Jngcnd zu gleicher Würdignng nahegelegt würde! Das Menschlichste und Göttlichste im Menscheu würde die Brücke der Achtung und Liebe bauen zwischen Mensch und Mensch, achten würde der Geist de» Geist, und lieben das Herz lernen das Herz, und vor dem leuchtenden und erwärmenden Strah